Die Toten, die niemand vermisst – Michael Hjorth/Hans Rosenfeldt

29. Oktober 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

IMG_7943Das mit den viellesenden Angehörigen ist ja so ne Sache: Zwar profitiert man regelmäßig von Buchgeschenken und Leihgaben, was perfekt ist. Nun habe ich allerdings eine Tante, die mir gerne Bücher empfiehlt und auch ausleiht, die sich dann als Teil x irgendeiner Serie entpuppen – und in der Regel ist es nie der erste Teil. Normalerweise stört mich das nicht so sehr, hier war es aber dem Lesegenuss eher abträglich, weil es zu viele Bezüge zu den vorangehenden Bänden gibt. Aber zum gestörten Lesegenuss gleich noch mehr.

In der nordschwedischen Einöde werden durch Zufall sechs Skelette entdeckt, zwei davon von Kindern. Die Toten wurden offenbar erschossen und liegen schon seit einigen Jahren dort – besonders viel mehr kann man nicht herausfinden, denn es gibt keine Vermisstenmeldungen aus der fraglichen Zeit, die auf diese Personen passen könnten.

Parallel suchen Shibeka und ihr Sohn Mehran aus Stockholm seit Jahren ihren verschwundenen Ehemann und Vater Hamid; die Behörden waren damals davon ausgegangen, dass sich Hamid durch Untertauchen seiner Abschiebung zurück nach Afghanistan widersetzen wollte. Shibeka aber glaubt, ihren Mann zu kennen – Hamid war nicht so. Sie nimmt Kontakt zu einem Journalisten auf, um die Geschichte um das Verschwinden endlich aufzuklären.

Im Fall um die Skelette übernimmt die Reichsmordkommission. Zunächst scheint es keine heiße Spur zu geben, ehe sie eine alte Meldung von einem ausgebrannten Auto mit einer Frauenleiche darin finden. Die Zeit könnte passen, doch die Leiche wurde nie identifiziert. Oder genauer: Bei dem Auto handelte es sich um einen Mietwagen, der von einer gewissen Patricia Wellton gemietet wurde. Nur: Diese Frau hat nie existiert, sie taucht in keinem offiziellen Register auf. Doch bei den Nachforschungen wird immer klarer, dass der ein oder andere Schlapphut (nicht nur) aus Schweden hier seine Finger im Spiel und natürlich kein Interesse daran hat, dass das jemand herausfindet. Eine Sache, die auch Shibeka und Mehran schnell merken…

Wie man sieht: Die Geschichte an sich ist echt interessant und spannend, keine Frage. Nur leider wird die Story durch Privatprobleme und Nebenhandlungen viel zu sehr aufgebläht. Da wird mehr als einmal die Frage aufgeworfen, wer mit wem schläft oder geschlafen hat oder wieder schlafen wird, und wieso, und wer jetzt der Vater von Vanja ist und wann sie das erfahren wird und ob Billy mit seiner Freundin My (bei dem Namen ist ja wohl klar, wie man sie sich vorstellt, oder?) zusammenziehen will oder nicht. Und das hat dann schnell was von Waynetrain und Whateverest. Mich hat sogar der Mega-Cliffhanger am Schluss relativ kaltgelassen. Schade eigentlich.

Betrayal – Karin Alvtegen

14. Januar 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Mein letztes Buch des Lesejahres 2013 – und nochmal ein ziemliches Highlight. Dem zugrunde lag eine schon etwas ältere Empfehlung, die ich erst wieder bei Goodreads ausgraben musste. Aber Alvtegen bleibt im neuen Jahr auf meinem Radar, soviel steht schonmal fest.

Zu Beginn des Buches haben wir zwei separate Erzählstränge:

Wir lernen Eva und Henrik kennen und ihren Sohn Axel. Eva ist so der Typ „zupackende Businessfrau“, die alles unter Kontrolle hat und sogar die geschäftliche Post ihres Freiberufler-Ehemanns öffnet und vorsortiert. Die beiden scheinen sich damit aber ganz gut eingerichtet zu haben, bis Henrik ihr eines Tages gesteht, dass er in der Ehe nicht mehr glücklich ist und radikal auf Distanz geht.

Eva ist geschockt, hat sie doch immer alles im Griff gehabt und gemanagt. Aber offenbar hat sie vor lauter Kontrollwut nicht gemerkt, dass die Gefühle füreinander auf der Strecke geblieben sind. Jetzt droht ihr ganzes Leben auseinanderzubrechen und sie versucht alles, um Henrik irgendwie zu verstehen. Doch dann findet sie Liebesbriefe einer anderer Frau, mit der Henrik offenbar eine Affäre hat – wenig später hat sie die Gewissheit, dass diese andere ausgerechnet Linda ist, die Erzieherin von Axel. Diese Tatsache bringt das Fass zum Überlaufen und Eva heckt einen Racheplan insbesondere gegen Linda aus.

Wenden wir uns aber erst Jonas zu: Seine Freundin liegt nach einem Badeunfall im Koma, er ist bei ihr im Krankenhaus, so oft es geht, bis sie dann trotz aller Bemühungen stirbt. Jonas allerdings hat eine Zwangsstörung und verliert nun komplett den Böden unter den Füßen. So lange er für seine Freundin da sein konnte, hat er alles für sie getan und seine ganze Energie auf ihr Wohlbefinden konzentriert. Diese Orientierung verliert er durch ihren Tod und fühlt sich von ihr verraten und im Stich gelassen.

Jonas und Eva treffen sich schlussendlich in einer Bar – Eva, weil sie nur einen Drink nehmen und noch nicht nach Hause zum schweigenden Henrik wollte, Jonas, weil er in seiner Wohnung seine Zwänge nicht aushalten würde. Aus dem „Nur noch einen zusammen trinken“ wird ein One Night Stand, der zumindest für Eva keine große Bedeutung hatte – sie nennt Jonas sogar einen falschen Namen und freut sich über die kleine Rache an Henrik. Jonas jedoch interpretiert das Ganze anders und ist der Meinung, dass Eva die Einzige für ihn ist, seine große Liebe. Er stellt Nachforschungen an und findet über Kredikartenrechnung ihren richtigen Namen heraus. Er lauert ihr auf, beobachtet ihr Haus und spricht sogar Axel an.

Der Klappentext des Buches ist wahnsinnig irreführend: Man glaubt, eine recht einfach gestrickte Stalkergeschichte zu kaufen, bekommt aber einen vielschichtigeren Thriller, der um die Themen Liebe, Betrug, Eifersucht, verletzte Gefühle und Rache kreist. Ich war also gar nicht traurig, dass ich da andere Vorstellungen gehabt hatte, denn ich war eigentlich eher positiv überrascht.

Gefallen haben mir außerdem die ambivalenten Charaktere. Es fiel mir schwer, einem der Protagonisten irgendwie meine Sympathien zuzugestehen – jeder wird mal verletzt, jeder ist aber gleichzeitig auch mal das große Arschloch. Alvtegen nimmt sich viel Zeit, uns in die Gefühlswelt von Eva, Henrik und Jonas einzuführen. Sie erzählt oft Situationen mehrmals, jeweils aus einem anderen Blickwinkel. Konnten wir zunächst ganz eindeutig Partei für einen der Beteiligten ergreifen, fällt uns das beim zweiten Mal zunehmend schwerer. Das fand ich toll, weil man so gezwungen wird, sich mit den darunterliegenden Fragen auseinanderzusetzen und sich selbst zu positionieren.

Außerdem sehr, sehr krass und gut und passend: Das Ende! Das Ende ist absolut kein klassisches Happy-End, aber es ist letztlich die Konsequenz aus der ganzen Geschichte. Sehr gut gemacht und ein bisschen gruselig… Aber mehr will ich nicht verraten.

Mein erwartbares Fazit also auch ganz einfach: Wärmstens zu empfehlen!

ISBN: 978-3499240003
288 Seiten
Originaltitel: Svek
rororo
€8,99

Öland – Johan Theorin

22. Dezember 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

IMG_7431Jetzt habe ich mich endlich mal an diese vielgelobte Reihe gemacht und muss sagen: Ich war ein kleines bisschen enttäuscht. Aber von Anfang an:

Wir lernen Julia kennen, deren Sohn Jens als kleiner Junge in den 1970ern spurlos verschwunden ist. Julia hat diesen Verlust nie so richtig verwunden, ist depressiv und schon länger krankgeschrieben.

Jens verschwand während eines Aufenthalts bei Julias Eltern auf Öland. Sie selbst war nur kurz unterwegs, ihre Eltern waren beschäftigt, als Jens auf eigene Faust das Haus verlassen hatte und von da an von keinem mehr gesehen wurde. Suchaktionen am Strand – es wurde angenommen, dass Jens ertrunken ist, dass es ein Unfall war – wurden bald ergebnislos eingestellt.

Nun, zwanzig Jahre später, bekommt Julias Vater Gerolf einen alten Kinderschuh zugeschickt, der von Jens gewesen sein könnte. Nachdem Gerolf sie angerufen hat, reist Julia sofort nach Öland und die beiden beginnen, Nachforschungen anzustellen und Leute zu befragen, die damals auch von dem Fall gehört hatten.

Und da gibt es auch die Gerüchte: Jens sei von Nils Kant getötet worden – Nils Kant, der Unruhestifter und Sündenbock der Insel, der tatsächlich einige Todesfälle auf dem Gewissen hatte, dann aber nach Südamerika flüchtete und in den 60ern heimkehrte – im Sarg. Er ist auf Öland bestattet und wird wohl kaum zehn Jahre später wieder auferstanden sein, um Jens umzubringen… oder war sein Tod wirklich nur fingiert, wie einige auf der Insel behaupten?

Als dann Gerolfs Freund Ernst ums Leben kommt, der ebenfalls Nachforschungen in dieser Sache angestellt hatte, merken Julia und Gerolf, dass sie wohl an Dingen rühren, die manche Leute lieber geheim halten würden.

Die Handlung klingt ja wirklich sehr gut, oder? Es ist nun leider so, dass vor allem der Einstieg sehr zäh war. Ich konnte mich mit Julia nicht anfreunden, fand sie nervig und verbittert, die Geschichte nahm kein Tempo auf und sowieso. Dann wurde es etwas spannender, die Figuren entwickelten sich (vor allem Julia machte eine Entwicklung zum Besseren durch, was mir gut gefallen hat) und die Geschichte wurde zunehmend verwickelter und dadurch interessanter. Leider fand ich das Ende (also die Auflösung auf den letzten Seiten) ziemlich doof und habe das Buch deswegen auch mit einiger Enttäuschung zugeklappt. Wenigstens muss man Theorin zugute halten, dass ihm hier nochmal eine ziemlich überraschende Wendung gelungen ist. Aber ein fahler Nachgeschmack bleibt trotzdem.

ISBN: 978-3492253680
448 Seiten
Originaltitel: Skumtimmen
Piper Taschenbuch
€9,99

Berts dagbok – Sören Olsson/Anders Jacobsson

11. September 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Bert Ljung hat mich ja durch meine Jugend begleitet und ich tippe mal, dass ich damit nicht alleine bin. Als eine Freundin meinen automatischen Goodreads-Post zu dem Buch bei Facebook sah, kommentiert sie, dass sie und ihr Bruder auch alle Bücher dieser Reihe gelesen hätten. Ich hatte vor einigen Jahren den ersten Teil der Reihe auf Schwedisch erstanden und habe ihn jetzt in Vorbereitung eines Schweden-Kurztrips vor Kurzem endlich mal durchgelesen. Kinder- und Jugendbücher sind ja immer dankbare Lektüre in Fremdsprachen… 😉

Bert ist 11 und über beide Ohren verliebt in Rebecka aus seiner Klasse. Vereinzelte Bemühungen, bei ihr zu landen, fruchten nicht, was aber Bert nicht anficht, da er sich sowieso bald entliebt hat und nur noch an eine (andere) denken kann: Nadja Nilsson von der Jungbergschule, die er bei der Schuldisco gesehen hat. Er ruft sie sogar heimlich unter falschem Namen an, trotz ihrer drei gemeingefährlichen Brüder. Dumm nur, dass er zur Tarnung den Namen seines besten Freundes Åke verwendet hat, denn als Nadja schließlich rausrückt, dass sie sich leider, leider in Åkes Freund Bert verguckt hat, muss sich ebendieser eine gute Ausrede einfallen lassen…

Ansonsten hat Bert unter seiner ersten Brille und unter seinem Vornamen zu leiden, kommt zusammen mit Åke regelmäßig auf dumme Ideen, versucht ständig, seine letztlich doch fehlende Coolness zu überspielen und sich irgendwie gegen den Klassenchaoten Klimpen durchzusetzen.

Stellvertretend hier noch ein paar Worte zu der restlichen Reihe: Ich glaube, es gibt für jedes Alter von Bert einen Band, bis er 18 ist. Was hier noch harmlos anfängt, wird dann später mehr und mehr durch Berts Pubertät und die damit verbundenen Schwierig- und Peinlichkeiten geprägt. Unterm Strich bleibt Bert der ewig verhinderte Liebhaber, der übers Fummeln nicht herauskommt – was ihm schwer zu schaffen macht.

Aber davon ist, wie gesagt, in diesem Band noch nichts zu spüren. Der Stil dürfte vor allem Jugendliche ansprechen, die etwa im gleichen Alter von Bert sind. Der Humor ist altersentsprechend und für Erwachsene bisweilen etwas albern. Aber ich lasse auf Bert nichts kommen, bei der Erstlektüre habe ich regelmäßig Tränen gelacht. Insofern stellvertretend hier die Empfehlung für diese Fast-schon-Klassiker – auf das auch die nächste Generation zusammen mit Bert erwachsen werden kann.

ISBN: 91-29-62828-8
153 Seiten
Deutscher Titel: Berts gesammelte Katastrophen
Rabén & Sjögren
Preis unbekannt (deutsche Ausgabe: €9,90)

Tova – Ylva Karlsson

9. Juli 2012 § 2 Kommentare

Um es vorweg zu sagen: Ich bin voreingenommen. Das war jetzt bestimmt das dritte oder vierte Mal, dass ich dieses Buch gelesen habe und ich finde es immernoch genauso toll wie am Anfang.

Tova ist der Name der Protagonistin. 17 Jahre alt ist sie, lebt in Stockholm zusammen mit ihrem Vater, dessen Lebensgefährtin Eva und ihren kleinen Stiefbrüdern. Tovas Mutter hat die Familie verlassen, als Tova noch klein war; sie sah ihre Berufung als Entwicklungshelferin in Nicaragua und lebt seitdem dort.

Tova war bis zum Frühjahr noch mit Torsten zusammen, ehe dieser mit ihr Schluss machte. Jetzt ist Sommer, Tovas Vater und Eva sind ins Sommerhaus gefahren, Tova ist alleine in der Stadt und muss mit ihrem Liebeskummer klarkommen. Daran hätte sie schon genug zu knabbern, zu allem Überfluss schreibt ihre Mutter, sie sei über den Sommer eine zeitlang in Schweden und würde sich gerne mit Tova treffen. Was also tun?

Tova fühlt sich vor allem einsam. Nicht, dass sie nicht schon immer eher eine Einzelgängerin war. Nicht, dass sie keine Freunde hätte. Doch die sind mehr mit dem Entwerfen einer gerechteren Gesellschaft beschäftigt als damit, sie mal zu fragen, wie es ihr denn geht; auch ihr bester Freund Viktor ist ihr nicht immer eine große Hilfe, weil er grade selbst an seinem eigenen Gefühlschaos zu knabbern hat.

Klingt anstrengend und kompliziert? Ist es aber gar nicht so sehr. Tatsächlich liest sich die Geschichte recht leicht, sie ist in einer ganz eigenen, schönen Schreibe erzählt, dass man gar nicht anders kann als mit Tova mitzufühlen. Tova ist eine sehr schlaue und reflektierte Person, die sich viele kluge, melancholische und zum Teil auch verzweifelte Gedanken macht. Diese Melancholie zieht sich durch die ganze Geschichte. Und das gefällt mir so gut daran. Einfach, weil die Gefühle, die Tova durchmacht, so gut und treffend beschrieben sind und in eine so schöne Sprache gefasst sind. Und weil man haargenau weiß, wie sie sich fühlt und wie sich das anfühlen muss.

Das Buch eignet sich für alle ab 15 oder 16 Jahren aufwärts (alternativ: ab dem ersten Liebeskummer) – also ein Jugendbuch, das auch von Erwachsenen noch sehr gut gelesen werden kann.

ISBN: 3-423-62063-3
172 Seiten
Originaltitel: Tova
dtv
€7,50

Gastrezension: Aschenputtel – Kristina Ohlsson

7. Januar 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Bloggerin und passionierte Leserin hat natürlich in ihrer Wahrnehmung einen Filter, der alle Statusmeldungen und Meinungen zum Themenkreis „Bücher und Lesen“ mit höchster Priorität versieht. Als dann meine Freundin Janina neulich bei Facebook schrieb, sie würde gerade mit Freude „Aschenputtel“ von Kristina Ohlsson lesen, dachte ich natürlich: „Gastrezension!“ Ich habe sie gefragt, und prompt hat sie eine geschrieben! Bitteschön:

Es ist Sommer in Schweden, als ein kleines Mädchen spurlos aus einem Zug verschwindet. Ein paar Sandalen – das ist alles, was von dem Kind im Zugabteil gefunden wird, und obwohl der Zug voll besetzt war, hat niemand gesehen, wie das Mädchen verschwand und wer es  mitgenommen hat. Zunächst glaubt das Ermittlerteam um Kommissar Alexander Recht, es handele sich um einen Routinefall. Als jedoch die Mutter des Mädchens eine grausige Postsendung erhält, überschlagen sich die Ereignisse und die Stockholmer Polizei sieht sich mit einem Täter konfrontiert, der nicht nur kaltblütig vorgeht, sondern auch jegliche Spuren zu verwischen weiß. Da ist auch der analytische Verstand von der neuen Kollegin Fredrika Bergman gefragt, obwohl ihre Kollegen bei der Stockholmer Polizei mit ihrer Arbeitsweise noch einige Probleme haben.

Kristina Ohlsson gelingt es, eine spannende Kriminalgeschichte so langsam zu entfalten, dass es dem Leser erst genauso spät wie den Ermittlern dämmert, wer der Täter oder auch was überhaupt sein Motiv sein könnte. Scheinbar zusammenhangslose Verbrechen ergeben am Ende ein ebenso faszinierendes wie erschütterndes Muster und führen zu einem Täter, dessen Vergangenheit ihn selbst zum Opfer gemacht hat.

Perspektivenwechsel und eine einfühlsame wie humorvolle Darstellung der einzelnen Charaktere und dem Spannungsverhältnis zwischen ihren Privatleben und ihren beruflichen Verpflichtungen lassen diesen Roman zu weit mehr werden als der Erzählung eines Kriminalfalls. Er beleuchtet die Abgründe menschlicher Gefühle und Motivationen und lässt den Leser mit dem unguten Gefühl zurück, dass selbst die schlimmsten Motive wenn nicht nachvollziehbar, dann doch erklärbar, werden könnten.

Janina Ziesche

ISBN: 978-3-8090-2591-7
480 Seiten
Originaltitel: Askungar
Limes
€19,99

Misterioso – Arne Dahl

23. April 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

(Ehe ihr anfangt: Hier das Lied zum Buch, sozusagen. Während des Lesens anzuhören.)

Ich hatte mal wieder Bock auf einen guten Krimi – und wenn man den zahlreichen Rezensionen glaubt, ist Arne Dahl ein besonders verlässlicher Lieferant in diesem Genre. „Misterioso“ ist Band 1 seiner Reihe um den Ermittler Paul Hjelm.

Dieser hat grad beruflich wie privat eine „etwas“ schwere Zeit (seine Frau ist von zu Hause ausgezogen, und im Beruf trifft er eine Entscheidung, die ihn in nicht allzu gutem Licht dastehen lässt) – da verwundert es ihn selbst etwas, als er überraschend zu einer neuen Einheit bei der Kripo berufen wird, die eine mysteriöse Mordserie aufklären soll: Kurz hintereinander sind mehrere hochrangige Geschäftsleute tot aufgefunden worden. Alle wurden sie nachts mit zwei Kopfschüssen ermordet, Spuren gibt es keine und die Opfer waren jeweils alleine, es gibt also auch keine Zeugen, die irgendwelche Beobachtungen hätten machen können.

Entsprechend breit muss die Einheit, in der Polizisten aus ganz Schweden zusammenarbeiten, ermitteln: Kannten sich die Opfer irgendwie, sei es beruflich oder privat? Zwei heiße Spuren gibt es schon bald: Alle drei waren Mitglieder einer Geheimloge, und sie saßen Anfang der 1990er Jahre gleichzeitig gemeinsam in einigen Aufsichtsräten. Doch lässt sich daraus tatsächlich irgendein Mordmotiv ableiten? Oder hat doch die russisch-estnische Mafia ihre Finger im Spiel? Zunächst scheinen alle Spuren ins Leere zu verlaufen, doch schließlich wird der Täter kurz nach der Tötung des letzten Opfers von dessen Tochter überrascht und vergisst bei seiner Flucht eine Kassette im Player: Das Jazzstück „Misterioso“ von Thelonious Monk. Und endlich haben die Ermittler eine heiße Spur…

Wir haben es hier mit einer manchmal etwas verschlungenen Handlung zu tun, bei der es einige falsche Fährten gibt und die absolut nicht vorhersehbar ist. Auch wenn man sich manchmal konzentrieren muss, um die verschiedenen Personen und die Verbindungen zwischen ihnen auseinanderhalten und wiedererkennen zu können, macht das Lesen wirklich Spaß – es bleibt bis zum Schluss spannend, und die recht skurril geratenen Charaktere tun ihr Übriges dazu (auch wenn da manchmal nur ein schmaler Grat zur Albernheit ist…). Ist auf jeden Fall lesenswert, die Reihe werde ich bei Gelegenheit mal weiterverfolgen.

ISBN: 978-3492239929

352 Seiten

Originaltitel: Misterioso

Piper Taschenbuch

€9,95

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