Der Wald ist Schweigen – Gisa Klönne

26. April 2015 § 2 Kommentare

IMG_8073Tatort Bergisches Land – die Försterin Diana Westermann findet auf einem Hochsitz in ihrem Revier eine schwer identifizierbare Männerleiche. Judith Krieger und ihre Kollegen der Kripo Köln beginnen mit den Ermittlungen, bei denen sie schnell das Gefühl haben, dass alle Befragten nicht wirklich mit der ganzen Wahrheit rausrücken: Die Försterin selbst, die Ehefrau des Toten, die Yogis im nahegelegenen Ashram… Was also ist da los?

Diana Westermann hat das Revier gerade neu übernommen, sie bekommt Drohanrufe, Falschmeldungen über Wildunfälle mitten in der Nacht, ihr Hund verschwindet kurzzeitig. Sie versucht die Vorfälle damit abzutun, dass ihre Kollegen ihr, der jungen gutaussehenden Frau, das Revier nicht gönnen. Oder steckt da mehr dahinter und hängen die Vorfälle irgendwie mit dem Mord zusammen?

Juliane Wengert, die Ehefrau des Toten, gerät schnell in Verdacht, nicht zuletzt durch ihr kühles und distanziertes Verhalten bei den Befragungen der Kripo: Ihr Mann, ein Lehrer, hatte eine Affäre mit einer Schülerin. Die schien zwar beendet zu worden sein, aber könnte es nicht sein, dass die betrogene Ehefrau doch aus Eifersucht gehandelt hat?

Und dann gibt es noch den erwähnten Ashram – dort laufen einige undurchsichtige Gestalten herum, die nur auf den ersten Blick yogamäßig nett und entspannt sind. Was hat es mit Laura auf sich, der jungen Frau, und mit ihrem Geliebten? Was verschweigen die Leiter der Einrichtung? Und wo steckt Darshan, eine junge Lebenskünstlerin, die einige Monate vorher kurz auf dem Weg nach Indien hier Station gemacht hatte, aber nie in Asien ankam?

Ich hatte ja schon angekündigt, die Reihe rund um Judith Krieger mal ganz von Anfang zu lesen, und damit scheine ich absolut richtig gelegen zu haben. Mir hat auch diese Geschichte rundum gut gefallen. Ich fand es toll, dass es hier vor allem die vielschichtigen Frauenfiguren sind, die die Handlung tragen. Vor allem Judith Krieger finde ich sympathisch und interessant, ich freue mich auf die nächsten Fälle, in denen sie ermittelt (denn ja, die werde ich auch lesen). Die einzelnen Erzählstränge sind gut und stimmig miteinander verknüpft, ohne dass es aufgesetzt oder gezwungen wirkt.

Außerdem fand ich die Story interessant, vor allem, da hier so eine nette falsche Fährte eingebaut war. Okay, man könnte die schon etwas früher als auf den letzten Seiten erahnen. Ich hatte eher so ein Bauchgefühl, war mir aber dann doch nicht so sicher – am Schluss wurde mein Gefühl bestätigt. Dafür, dass ich sonst so eine schlechte Mitraterin bin, verbuche ich das mal als kleinen Erfolg.

Also ja, ich hab rein gar nichts zu meckern. Große Empfehlung!

 

ZERO. Sie wissen, was du tust – Marc Elsberg

25. März 2015 § 2 Kommentare

IMG_8069Von Elsbergs Erstling „Blackout“ war ich ja ziemlich angetan und da ich die ganze Big Data-Thematik sehr spannend finde, habe ich mich gefreut, als ich „ZERO“ geschenkt bekommen habe.

Auch ZERO hat wieder ein Szenario zur Grundlage, das gar nicht mal sooo unrealistisch ist. Wir müssen uns dafür nur ein paar Jahre in die Zukunft denken, denn alle Technologien, um die es hier geht, gibt es auch heute schon.

Der neue heiße Scheiß in dieser Geschichte ist ein Netzwerk namens „Freeme“: Jedem Nutzer gehören seine aggregierten Daten und er kann entscheiden, was mit ihnen passiert und auch, welchen Wert sie haben. Klar, dass alle den Wert ihrer Daten stetig verbessern wollen, denn es gibt Rankings und Scores, so dass jeder immer nachprüfen kann, wie wertvoll seine Persönlichkeit und sein Können aktuell sind. Und um das alles zu verbessern, gibt es dann die ActApps, die für alle möglichen Lebenslagen Ratschläge geben. In erster Linie geht es natürlich um ein besseres, gesünderes und zufriedeneres Leben, mit dem netten Nebeneffekt, dass die Erfolgreichen auch ihren Datenwert steigern können.

Gut, das an sich ist jetzt nicht so tragisch. Vi, die Tochter der Journalistin Cynthia, ist dank der ActApps besser in der Schule geworden, hat ihre etwas schwierige Emophase überstanden und benimmt sich allgemein zugänglicher und erwachsener (und Mama Cynthia lässt sich immerhin von einer App schon Flirttipps einflüstern, um diesen einen knackigen IT-Experten rumzukriegen für sich zu gewinnen). Doch dann passiert ein Unglück: Einer der Freunde von Vi hat sich mit einer Datenbrille auf Verbrecherjagd begeben und wurde dabei erschossen. Und natürlich wird diskutiert: Haben ihn diese ActApps dazu gebracht, mutig und zu wagehalsig zu werden, um seine Werte zu verbessern? Ist Freeme etwa gefährlich?

Befeuert wird die Debatte zusätzlich vom Hackerkollektiv ZERO, das mit einigen spektakulären Aktionen auf sich aufmerksam gemacht und sein Ziel, die „Datenkraken“ zu vernichten, dabei mehr als deutlich artikuliert hat.

Cynthia ist zunächst überfordert, da sie mit diesen ganzen neuen Technologien nie wirklich Schritt gehalten hat. Plötzlich ist sie als Mutter gefragt, aber auch in ihrem Job als Journalistin: Wegen ihrer direkten Nähe zu dem Fall soll sie davon berichten. Gemeinsam mit Kollegen versucht sie, hinter Freemes Geheimnis zu kommen und begibt sich damit auf ein vermintes Terrain – denn das Netzwerk will sich natürlich nicht in die Karten schauen lassen und auch ZERO mischt kräftig mit.

Ich muss sagen, mich hat die ganze Geschichte etwas zwiegespalten zurückgelassen. Klar, die Thematik ist super-spannend und die Story könnte aktueller nicht sein. Auf der anderen Seite schien die Geschichte nicht als solche zu leben, sondern in erster Linie dem Namedropping zu dienen. So sprechen die Charaktere manchmal, als zitierten sie gerade aus der Wikipedia. Ich bin mir bewusst, dass dieses Buch eine große Rechercheleistung darstellt und man merkt, dass Elsberg diese Sache recht gründlich erledigt hat. Allerdings hätten die Protagonisten ruhig etwas lebendiger und dreidimensionaler und die Dialoge etwas natürlicher sein dürfen.

Ich will das Buch hier aber nicht zu schlecht machen: Es ist auf jeden Fall ein ganz guter Einstieg in die Big Data-Thematik und zeigt einige der Probleme auf, mit denen wir uns in den nächsten Jahren wohl beschäftigen dürfen.

Im Übrigen, um gleich mal beim Thema zu bleiben: Ich bin ab heute bis Freitag bei der Herrenhäuser Konferenz der Volkswagen Stiftung „Big Data in a Transdisciplinary Perspective“ dabei – als eine der Science Reporter werde ich darüber bei Twitter, Facebook und eventuell auch hier im Blog berichten (ansonsten lautet der Hashtag #hkbigdata). Ich freue mich auf die Konferenz und auch darauf, wenn der ein oder die andere von euch sich dafür interessiert!

Der Insider – Michael Robotham

31. Januar 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

IMG_8041Der Ex-Polizist Vincent Ruiz wird in London von einer junger Frau namens Holly ausgeraubt. Als er sie suchen und seine Wertsachen zurückfordern will, findet er in ihrer Wohnung nur ihren toten Freund vor, der offenbar erst misshandelt und dann ermordet wurde. Holly entwischt ihm knapp, als sie in Panik vor ihm flieht. Ruiz wird klar, dass es hier um mehr geht als nur einen simplen Diebstahl.

Zur gleichen Zeit in Bagdad: Journalist Luca ist im Irak einer Serie von Banküberfällen auf der Spur. Dabei bemerkt er Unregelmäßigkeiten bei der Zuweisung von Hilfsgeldern – werden diese möglicherweise veruntreut? Gemeinsam mit der UN-Buchprüferin Daniela will er dem Ganzen auf die Spur zu kommen und bekommt bald zu spüren, dass nicht alle mit ihren Nachforschungen einverstanden sind.

Wieder in London: Der Mann von Elizabeth North ist seit einigen Tagen verschwunden. Richard North war Banker, er schien in den Wochen vor seinem Verschwinden verändert, abwesend, traurig. Elizabeth war so beunruhigt, dass sie sogar einen Privatdetektiv auf ihren Ehemann angesetzt hat. Dieser hatte in der Tat einiges an Ungereimtheiten entdeckt: Wie von Elizabeth befürchtet, hatte Richard offenbar eine Geliebte. Aber es scheint noch mehr im Argen gelegen haben: Er hat sich auch in der Bank auffällig verhalten, hat Andeutungen gemacht und redete von einem „großen Fehler“, den er angeblich gemacht hatte.

Es wird recht schnell klar, dass diese drei Fälle zusammenhängen und man ahnt bereits recht früh, wo die Berührungspunkte sein könnten. Einzig ein weiterer Nebenplot um eine Gruppe Terroristen, die einen Anschlag in London planen, schien nicht so recht dazu zu passen.

„Der Insider“ ist eine solide Story, nicht extrem, aber ausreichend spannend und relativ vorhersehbar. Eine nette Lektüre für zwischendurch.

Nichts als Erlösung – Gisa Klönne

11. November 2014 § Ein Kommentar

IMG_7946Bei einer morgendlichen Joggingrunde stolpert Kommissarin Judith Krieger mitten in einen Tatort: Ein Touri-Pärchen hat nahe der Kölner Altstadt einen Toten mit weggeschossenem Gesicht gefunden. Zunächst ist unklar, wer überhaupt der Tote ist. Doch als schließlich die Identität festgestellt wurde, gibt das der Mordkommission nur noch mehr Rätsel auf, denn Jonas Vollenweider war in den 80ern selbst der Hauptverdächtige, als seine Eltern und seine Schwester ermordet wurden. Ihm konnte jedoch nie etwas nachgewiesen, die Leichen wurden nie gefunden und er selbst lebte zuletzt mit seiner Lebensgefährtin auf Samos, nahezu ohne Kontakt zu Deutschland. Zuletzt wollte er aber endlich das ehemalige Haus der Familie verkaufen; dort wurden die Vollenweiders ermordet, und seitdem stand das Haus leer, nahezu unberührt seit der Tat.

Was Judith Krieger zusätzlich zu schaffen macht: Sie bekommt regelmäßig anonyme Briefe mit Fotos von Details, die mit den aktuellen Ermittlunngen zu tun haben. Und sie wird das Gefühl nie los, dass ihr der Täter immer sehr nah und stets einen Schritt voraus ist.

Der Täter selbst – nun, es gibt am jüngsten Tatort und im Haus der Vollenweiders keinerlei verwertbare Spuren, alle Hinweisen laufen irgendwie ins Leere, doch Krieger und ihr Team sind sich sicher, dass sie, um diesen Fall zu lösen, tief in der Vergangenheit graben müssen. Die Eltern von Jonas Vollenweider waren Leiter eines Kinderheims in der Eifel, wo in der Nazizeit und auch danach noch Kinder misshandelt und sogar getötet wurden. Aber warum kommt das nun alles nach Jahrzehnten wieder ans Licht? Und musste der Sohn für die Verbrechen seiner Eltern büßen?

Ja, sehr schöner Krimi. Sympathische Ermittler, nicht zuviel Privatkram und ein interessanter und stimmiger Fall. Da auch das hier wieder ein Mittendrin-angefangen-Buch war, kam der Band 1 mit Judith Krieger sofort auf meine Wunschliste.

 

Die Toten, die niemand vermisst – Michael Hjorth/Hans Rosenfeldt

29. Oktober 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

IMG_7943Das mit den viellesenden Angehörigen ist ja so ne Sache: Zwar profitiert man regelmäßig von Buchgeschenken und Leihgaben, was perfekt ist. Nun habe ich allerdings eine Tante, die mir gerne Bücher empfiehlt und auch ausleiht, die sich dann als Teil x irgendeiner Serie entpuppen – und in der Regel ist es nie der erste Teil. Normalerweise stört mich das nicht so sehr, hier war es aber dem Lesegenuss eher abträglich, weil es zu viele Bezüge zu den vorangehenden Bänden gibt. Aber zum gestörten Lesegenuss gleich noch mehr.

In der nordschwedischen Einöde werden durch Zufall sechs Skelette entdeckt, zwei davon von Kindern. Die Toten wurden offenbar erschossen und liegen schon seit einigen Jahren dort – besonders viel mehr kann man nicht herausfinden, denn es gibt keine Vermisstenmeldungen aus der fraglichen Zeit, die auf diese Personen passen könnten.

Parallel suchen Shibeka und ihr Sohn Mehran aus Stockholm seit Jahren ihren verschwundenen Ehemann und Vater Hamid; die Behörden waren damals davon ausgegangen, dass sich Hamid durch Untertauchen seiner Abschiebung zurück nach Afghanistan widersetzen wollte. Shibeka aber glaubt, ihren Mann zu kennen – Hamid war nicht so. Sie nimmt Kontakt zu einem Journalisten auf, um die Geschichte um das Verschwinden endlich aufzuklären.

Im Fall um die Skelette übernimmt die Reichsmordkommission. Zunächst scheint es keine heiße Spur zu geben, ehe sie eine alte Meldung von einem ausgebrannten Auto mit einer Frauenleiche darin finden. Die Zeit könnte passen, doch die Leiche wurde nie identifiziert. Oder genauer: Bei dem Auto handelte es sich um einen Mietwagen, der von einer gewissen Patricia Wellton gemietet wurde. Nur: Diese Frau hat nie existiert, sie taucht in keinem offiziellen Register auf. Doch bei den Nachforschungen wird immer klarer, dass der ein oder andere Schlapphut (nicht nur) aus Schweden hier seine Finger im Spiel und natürlich kein Interesse daran hat, dass das jemand herausfindet. Eine Sache, die auch Shibeka und Mehran schnell merken…

Wie man sieht: Die Geschichte an sich ist echt interessant und spannend, keine Frage. Nur leider wird die Story durch Privatprobleme und Nebenhandlungen viel zu sehr aufgebläht. Da wird mehr als einmal die Frage aufgeworfen, wer mit wem schläft oder geschlafen hat oder wieder schlafen wird, und wieso, und wer jetzt der Vater von Vanja ist und wann sie das erfahren wird und ob Billy mit seiner Freundin My (bei dem Namen ist ja wohl klar, wie man sie sich vorstellt, oder?) zusammenziehen will oder nicht. Und das hat dann schnell was von Waynetrain und Whateverest. Mich hat sogar der Mega-Cliffhanger am Schluss relativ kaltgelassen. Schade eigentlich.

Grabesgrün – Tana French

3. Oktober 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Die letzte Dienstreise in meinem (noch) aktuellen Job mit einigen Zugstunden sowie ein langes Wochenende haben mir vor Kurzem recht viel Lesezeit beschert. Die wollte ich auch nutzen; in den kommenden Wochen steht nach dem Projektabschluss ein Umzug an mit entsprechender To Do-Liste. Deswegen wollte ich vorher nochmal einen schönen Krimi  lesen und ich weiß mittlerweile, dass ich da mit Tana French gut bedient bin. Die Reihe finde ich ja von Buch zu Buch besser – ein kleiner Wermutstropfen ist, dass ich das Ganze irgendwie von hinten nach vorne gelesen habe. Nun gut, das ist jetzt nicht sooo tragisch, weil die einzelnen Geschichten in sich abgeschlossen sind, aber so den ein oder anderen Bezug hätte ich schon nochmal gerne aufgegriffen gehabt.

Dieses Mal führt uns Detective Rob Ryan durch die Geschichte. Cassie (die in Teil 2 die Erzählerin ist) ist seine Partnerin und beste Freundin (auf die Kumpel-Art). Die beiden bekommen einen Fall auf den Tisch, der für beide zur Nervenprobe werden wird: Die Leiche eines zwölfjährigen Mädchen wird nahe einer archäologischen Ausgrabungsstätte gefunden. Katy, so hieß das Mädchen, wurde erst bewusstlos geschlagen und dann mit einer Plastiktüte erstickt. Anschließend wurde sie auf einem alten Altar so drapiert, als würde sie schlafen.

Rob und Cassie merken recht schnell, dass in Katys Familie einiges nicht stimmt: Die distanzierten Eltern, die ältere Schwester Rosalind, die viel zu erwachsen und reif für ihr Alter wirkt, schließlich Jessica, Katys Zwillingsschwester, die ziemlich verstört zu sein scheint. Nach einigen Nachfragen kommt heraus, dass die Familie Drohnanrufe bekommen hat; Katys Vater ist an einer Bürgerinitiative beteiligt, die gegen eine geplante Schnellstraße kämpft. Aber auch der ein oder andere aus der Gruppe der Archäologen benimmt sich seltsam, Alibis scheinen nicht immer wasserdicht zu sein.

Für Rob kommen die Dämonen allerdings aus einer ganz anderen Richtung: In dieser Gegend ist er aufgewachsen und als er 12 war, sind zwei seiner besten Freunde im Wald spurlos verschwunden. Rob war dabei, als es passierte, doch er hat keine Erinnerungen mehr daran. Er wurde erst Stunden später aufgegriffen, voller Blut und vollkommen verstört. Robs Familie ist kurz darauf weggezogen, er ist nach England aufs Internet gegangen, und nur Cassie kennt seine Vergangenheit.

Es stellt sich tatsächlich heraus, dass es Berührungspunkte zwischen dem alten und dem neuen Fall gibt. Und nicht nur dadurch verstricken sich Rob und Cassie zunehmend in alten Geschichten und aktuellen Fragen, die letztlich dann auch ihre Freundschaft auf die Probe stellen.

Ich wusste ja schon, dass dieser Fall ein sehr schwieriger werden würde; in Band 2 wurde das öfter mal angedeutet. Aber für mich tat das der Spannung oder dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Ich mag einfach die Charaktere supergerne, Cassie fand ich ja schon vorher klasse und auch Rob als Ich-Erzähler mochte ich sehr gerne. Ich finde sowieso die Idee gut, jeden Band aus der Perspektive von jemand anderem erzählen zu lassen, ohne das Setting zu verlassen.

Auch den Fall fand ich spannend und interessant und mir gefiel die leicht melancholische Stimmung, so dass ich das Buch bei Goodreads über die meiste Zeit glattweg mit 5 Sternen bewertet hätte (das wäre dann in diesem Jahr erst das zweite gewesen, nach dem Herrndorf. Erstaunlich schlechte Bilanz). Und dann hatte ich den Schluss gelesen und war doch… ein klitzekleines Bisschen enttäuscht. Ich fand den Schluss realistisch und alles, aber irgendwie… Ich dachte, da käme noch mehr. Rob machte zum Ende hin immer mehr Andeutungen und baut so eine Erwartung auf, die dann das eigentliche Finale nicht zu 100% erfüllen kann. Gut, es muss nicht immer filmreif und mit x Wendungen auf den letzten fünf Seiten sein. Aber hier bleiben eben einige Dinge in der Schwebe und ich hatte etwas mehr erwartet. So läuft der Fall eher etwas plätschernd aus. Aber auf der anderen Seite: Ich mag ja eigentlich die French-Krimis dafür, dass sie eben grade nicht so rüberkommen wie ein Actionfilm. Wie dem auch sei: Ich habe auch diesen Band sehr, sehr gerne gelesen. Und für alle, die die Serie bisher nicht kannten: Das wäre jetzt eine gute Gelegenheit für euch, damit anzufangen.

ISBN: 978-3596175420
704 Seiten
Originaltitel: In The Woods
Fischer

Unter Haien – Nele Neuhaus

5. September 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

IMG_7933Ich muss ja zugeben: Beim Lesen des Klappentextes dachte ich sofort, dass ich es mit einer Kopie von Grishams Firma zu tun haben würde. Glücklicherweise hatte ich mich da getäuscht und die Story hier hatte doch noch einen etwas anderen Fokus.

Alex Sontheim ist eine deutsche Investmentbankerin, die grade Überholspurkarriere an der Wall Street macht. Sie bekommt ein äußerst lukratives Angebot bei der Investmentfirma LMI, wo sie ab sofort  für den Bereich Mergers & Acquisitions zuständig sein wird.

Auf diese Weise wird sie in die High Society von New York eingeführt und trifft auf einer Penthouseparty den italienischen Geschäftsmann Sergio Vitali. Sergio hatte ich mir immer als eine Art George Clooney vorgestellt: Sehr charmant und sehr, sehr gutaussehend… Ihr ahnt es schon: Alex wird seine Geliebte. Sergio scheint verrückt nach ihr zu sein, stellt sie wichtigen (noch wichtigeren) Leuten vor und kauft ihr mal eben ein Penthouse am Central Park. Dass er sowas quasi aus der Portokasse zahlen kann, zeigt uns schon: Der Typ ist nicht ganz sauber.

Schon sehr früh wird Alex auch von verschiedenen Leuten, allen voran von dem Bürgermeister Nick Kostidis, gewarnt: Sergio sei in krumme Geschäfte verwickelt und es sei gefährlich, sich mit ihm einzulassen. Kurz danach hört Alex auf einer Feier zufällig mit, dass Sergio offenbar jemanden hat erschießen lassen, der gegen ihn aussagen wollte. Sergio entpuppt sich schnell als Pate von New York, der nahezu alle wichtigen Leute in der Stadt geschmiert hat und ein weitverzweigtes Netz von OK, Geldwäsche und Korruption gespannt hat. Kostidis ist ihm immer auf den Fersen, alle Beweis gegen Vitali lösten sich allerdings im letzten Moment in „Luft“ auf.

Alex wird immer misstrauischer und entschließt sich, beim Kampf gegen Sergio zu helfen. Erschwerend kommt jedoch hinzu, dass auch ihre Firma mit Sergio verbandelt ist. Ihr Chef und einige andere Kollegen betreiben Insiderhandel mit den Informationen, die sie zusammenträgt. Sie muss also schnellstens handeln, um nicht bald selbst im Knast zu landen oder umgebracht zu werden.

Auf jeden Fall ist „Unter Haien“ eine unterhaltsame und spannende Story. Mir waren es nur manchmal ein paar Twists zu viel und (Achtung, Mini-Spoiler – Text einfach markieren) die Liebesgeschichte zwischen Alex und Nick war in meinen Augen eher unnötig. Außerdem sorgte das für die schlechteste Liebesszene, die ich seit längerem gelesen habe. Holla. 

Aber von dieser Kleinigkeit abgesehen musste ich irgendwie immer weiterlesen und fühlte mich dabei immer gut unterhalten. Und das ist doch die Hauptsache.

ISBN: 978-3548284798
672 Seiten
Ullstein Taschenbuch
€9,99

Tödliche Spiele (Die Tribute von Panem, Bd. 1) – Suzanne Collins

4. August 2014 § Ein Kommentar

Nein, ich lese mitnichten so viel zur Zeit, ich muss nur meine Motivation grade nutzen, um meinen Rezensionsstau abzuarbeiten. Nachdem nun diese Trilogie sogar schon verfilmt wurde und mich die Filme auch interessiert hatten, wollte ich vorher noch unbedingt die Bücher lesen. Und die sollen ja so SPANNEND sein!! Der erste Band durfte mich auch direkt mal wieder auf eine Dienstreise begleiten (die erfahrene Dienstreisende weiß, dass man bei manchen Trips lieber schonmal prophylaktisch für Spannung sorgt – manchmal braucht man das. Dieses Mal wäre es zwar gar nicht nötig gewesen, aber better safe than sorry. Ihr wisst schon).

Das Amerika der Zukunft ist in 12 Distrikte aufgeteilt. Es gab auch mal einen 13. Distrikt, doch dieser wurde nach einem Aufstand dem Erdboden gleichgemacht. Seitdem veranstaltet die Regierung zur Machtdemonstration jedes Jahr die so genannten Hungerspiele: Die Namen aller Kinder und Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 wandern dabei in jedem Distrikt in einen großen Lostopf. Diejenigen (1 Junge, 1 Mädchen), deren Namen gezogen werden, werden als Tribute in die Hauptstadt, das Kapitol, entsandt. Die Tribute müssen sich in einer Arena bekämpfen, bis nur noch einer überlebt hat und zum Sieger ernannt wird. Das Ganze wird live im TV übertragen und ist ein riesiges Ereignis.

Katniss, ihre kleine Schwester Prim und ihre Mutter leben im 12. Distrikt, einem der ärmsten Distrikte. Katniss jagt illegal im Wald und ernährt so ihre Familie. Prim ist ihr Ein und Alles, die Mutter ist seit dem Tod des Vaters depressiv und antriebslos. Als für die diesjährigen Hungerspiele Prim ausgelost wird, meldet sich Katniss freiwillig, um ihre kleine Schwester zu retten. Ihr Partner wird Peeta, ein Bäckersjunge, der ihr vor einigen Jahren das Leben gerettet hat. Die Tribute werden zunächst in die Hauptstadt gebracht, um dort ein Training zu erhalten und durch öffentliche Auftritte um Sponsoren zu werben.

In der Arena hat Katniss nicht nur mit ihren Gegnern zu kämpfen: Einsamkeit, Wasserknappheit und Verletzungen machen ihr zu schaffen. Zudem ist sie sich nicht im Klaren, was Peeta eigentlich für eine Agenda hat: Dieser hatte bei seinen Auftritten auf einmal den Verehrer von Katniss gespielt – oder ist er tatsächlich schon lange in sie verliebt? Aber wieso scheint er sich dann zunächst mit anderen Tributen gegen Katniss zu verbünden? Wie auch immer, überleben wollen schließlich alle. Und Katniss hat sich geschworen, heil nach Hause zu Prim und zu ihrem Freund Gale zurückzukehren.

Katniss ist eine sehr interessante Heldin. Sie ist tough und unabhängig, natürlich, aber mit Ecken und Kanten und Schwächen. Das hat mir sehr gut gefallen, sie ist endlich mal ein role model, wie man es sich grade für Mädchen öfter wünscht. Die Story an sich hatte außerdem viel Drive; dass sie ein Pageturner ist, haben viele vor mir schon gesagt und geschrieben.

Teil 2, ich komme!

ISBN: 3-86274-141-9
416 Seiten
Originaltitel: The Hunger Games
Verlag Friedrich Oetinger
€8,99 (ebook)

Leises Gift – Greg Iles

27. Juli 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

IMG_7891Ein Buchcover mit großer, roter Schrift bedeutet ja in der Regel „Hochspannung, Baby!“ Ob Mr. Iles dieses Versprechen ebenfalls halten kann? Schauen wir mal nach:

Der Arzt Dr. Chris Shepard bekommt eines Tages Besuch in seiner Praxis: Eine Frau mit stark vernarbtem Gesicht bittet ihn um ein Gespräch. Alex Morse, so ihr Name, ist FBI-Agentin, wurde aber nach einem Unfall im Dienst (daher auch die Narben) beurlaubt. Sie ermittelt trotzdem in einer Sache auf eigene Faust. Alex ist einer Reihe von Todesfällen auf der Spur, die alle eines gemeinsam haben: Alle Opfer sind mit überaus wohlhabenden Partnern verheiratet gewesen, und bei allen hat ebendiese/r Partner/in einen bestimmten Scheidungsanwalt kontaktiert. Die Todesfälle sehen allesamt aus wie natürliche Tode: Leukämie, Schlaganfälle und ähnliches. Und so hätte wohl keiner etwas Böses vermutet, wäre nicht eines der Opfer die Schwester von Alex gewesen, die ihr kurz vor ihrem Tod noch zugefüstert hatte, dass ihr Mann sie ermordet hätte.

Alex heftet sich auf die Fersen des Scheidungsanwaltes und findet heraus, dass dieser offenbar eine neue Klientin hat: Thora Shepard, die Frau von Chris. Sie will Chris warnen und ihn gleichzeitig um seine Hilfe bitten, denn vielleicht können sie über Thora weitere Hinweise bekommen.

Chris kann seiner Frau natürlich nicht mehr unbefangen entgegentreten, da er nicht weiß, auf welchem Weg die Krankheiten der bisherigen Opfer ausgelöst wurden: Durch vergiftete Nahrungsmittel, durch Medikamente, durch medizinische Behandlungen? Zu allem Überfluss findet Chris heraus, dass Thora tatsächlich eine Affäre hat – und da ihn das überzeugt hat, versuchen die beiden gemeinsam, Chris‘ Leben zu retten und die Täter zur Strecke zu bringen.

Als Leserin weiß man schon recht früh, wer diese Täter sind und (in etwa jedenfalls), welche Methoden sie anwenden, um ihre Opfer ohne Spuren zu töten. Und wir wissen, wie skrupellos sie jeden umbringen, der ihnen irgendwie im Weg stehen könnte.

Ob das Szenario so 100%ig realistisch ist, müssen andere entscheiden. Auch sind die Charaktere (vor allem die Bösen) etwas überzeichnet – Kategorie „James Bond-Bösewicht“. Aber das alles schadet eigentlich gar nicht so sehr – schöne Strandlektüre, wie ich fand, mit spannendem Showdown.

ISBN: 978-3-404-15967-3
602 Seiten
Originaltitel: True Evil
Bastei Lübbe
€9,95

Die Versuchung – David Baldacci

14. Juli 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

„Die Versuchung“ wartete schon seit längerer Zeit auf meinem Reader, bis mir neulich auf Dienstreise nach solider und eher leichteren Thrillerunterhaltung war.

Leute wie LuAnn Tyler nennt man in der Regel „white trash“: Sie ist Anfang 20, hat eine kleine Tochter und lebt zusammen mit ihrem Loserfreund Duane in – ja, richtig, einem Wohnwagen. Eines Tages bittet sie ein Mann mit der Aussicht auf ein Jobangebot um einen Termin in seinem Büro. Jackson, wie er sich nennt, hat jedoch ein etwas anderes Angebot – eines, das sie nicht ablehnen kann: LuAnn soll Lotto spielen und Jackson könne ihr garantieren, dass ihre Zahlen gezogen werden und sie mehrere Millionen Dollar gewinnen wird. Danach wird er ihr helfen, das Geld anzulegen, so dass sie ihr Leben ab sofort als eine der reichsten Frauen der Welt würde führen können. Der Haken? Sie müsste direkt nach der Ziehung mit einer falschen Identität das Land verlassen und dürfte nie wieder in die USA zurückkehren. Und (aber das wissen nur die Leser) sollte LuAnn ablehnen, würde Jackson sie töten müssen.

Doch so weit kommt es gar nicht, denn LuAnn will alles tun, um ihrem miesen Leben zu entfliehen. Alles läuft (fast) wie geplant, und LuAnn kann die kommenden zehn Jahre in größtem Reichtum zusammen mit ihrem väterlichen Freund Charlie und ihrer Tochter Lisa verbringen. Nach Jahren des Umherziehens und immer wieder Neu-Ankommens wollen die drei jedoch zurückkehren. Sie kaufen ein abgeschiedenes Haus auf dem Land und beauftragen den Bauunternehmer Matt Riggs damit, ihr Grundstück entsprechend abzusichern. Was sie nicht wissen: Trotz falscher Identität sind sie aufgespürt worden. Einmal von einem Enthüllungsjournalisten, der der Geschichte des Lotteriebetrugs auf der Spur ist, und einmal von Jackson selbst, der dummerweise ein wahrer Verwandlungskünstler ist. Und auch Matt Riggs ist natürlich nicht immer Bauunternehmer gewesen…

Ich brauche wohl nicht extra zu erwähnen, dass es hier schon manchmal zur Sache geht, auch wenn die richtig großen Überraschungen wegbleiben. Zwischendurch flaute die Spannung ziemlich ab, um dann aber zum Ende hin wieder Fahrt aufzunehmen. Und ja, auch LuAnn war mir wieder zu tough, zu stark, zu makellos. Das hat mir auch grade den Schlussteil etwas vermiest, weil dann doch zu viel Unrealistisches passiert und sich LuAnn aus den unmöglichsten Situationen befreien kann. Alles in allem ganz nett, aber eher nur Durchschnitt.

ISBN: 978-3404143481
640 Seiten
Originaltitel: The Winner
Bastei Lübbe
€4,99 (ebook)

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