Blutsbräute – Margie Orford

10. November 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

In Kapstadt wird an der Uferpromenade die Leiche einer jungen Frau gefunden. Ihre Hände sind gefesselt, die Augen zerstochen worden; ganz offenbar wurde sie vor ihrem Tod schwer misshandelt.

Die Profilerin Clare Hart wird sofort von der Polizei hinzugezogen, doch bald darauf passieren noch zwei weitere Morde an jungen Frauen, eine vierte verschwindet. Es ist klar, dass es sich um einen Serientäter handeln muss – schließlich sind alle Opfer junge Frauen, und alle wurden auf die gleiche Weise misshandelt.

Gleichzeitig arbeitet Clare an Doku zum Frauenhandel am Kap. Dazu interviewt sie Opfer und auch ein paar der unsympathischen Typen, die damit ihr Geld verdienen. Dadurch entdeckt sie Parallelen und sie ist bald überzeugt, dass sie womöglich den Mörder der Frauen schon getroffen hat…

„Blutsbräute“ ist definitiv ein spannender Fall, auch wenn die Story nicht sonderlich raffiniert ist: Es wird recht bald klar, dass der Täter in dem Milieu zu suchen ist, in dem Clare sowieso schon recherchiert. Natürlich sorgt schon alleine die Thematik dafür, dass man bei manchen Passagen ganz schön schlucken muss.

Ansonsten werde ich diese Serie bei Gelegenheit mal weiterlesen, Claire und die sonstigen Protagonisten waren mir recht sympathisch, und sowieso: Kapstadt!

ISBN: 3-641-12728-9
400 Seiten
Originaltitel: Like Clockwork
blanvalet
€7,99 (ebook)

Trackers – Deon Meyer

25. Juli 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

IMG_6893Deon Meyer mausert sich so langsam zu einem meiner Lieblingskrimiautoren. Woran man sowas merkt? Zum Beispiel, wenn man von diesem Autor sogar Spontaneinkäufe in der Bahnhofsbuchhandlung tätigen kann und trotzdem Volltreffer landet.

Hier haben wir es mit gleich drei in sich abgeschlossenen Handlungssträngen zu tun, die jedoch nach und nach einige Berühungspunkte erkennen lassen. Bei einigen Aspekten war das für mich erst wirklich ganz am Ende erkennbar, bei ein paar dagegen gar nicht. Aber trotzdem war das Ganze in sich sehr stimmig – besser, als wenn der Autor alles auf Biegen und Brechen irgendwie zusammenführen will und dann plötzlich irgendwelche absurden Begegnungen stattfinden.

Also, zu den drei Handlungsabschnitten: Zuerst hätten wir da Milla, die beim Nachrichtendienst arbeitet und dort Reports und Dossiers zu verdächtigen Personen erstellt und Recherchearbeiten durchführt. Milla hat gerade ihren Ehemann verlassen und ist gerade dabei, ihr Leben neu zu ordnen. Dass sie den Job angenommen hat, lag vor allem daran, dass sie schnell Geld verdienen musste. Milla wird darangesetzt, Informationen über verdächtige Personen im Umfeld von möglichen Terroristen zusammenzustellen. Offenbar ist irgendein Anschlag in Planung, doch die Zusammenhänge sind noch unklar. Muslimische Terroristen, Gangster auf den Cape Flats, Diamentenschmuggler, alle scheinen irgendwie miteinander verbandelt und irgendetwas ist da im Busch. Dann gibt es noch einen gewissen Lukas Becker, der als hartnäckiger Anrufer eines der Hauptverdächtigen das Spielfeld und wenig später leibhaftig die Tanzfläche eines Lokals betritt, in dem die mittlerweile etwas unterv…., ähm, liebeshungrige Milla Tanzstunden nimmt…

Dann haben wir im zweiten Handlungsstrang Lemmer, der einen etwas eigenartigen Job annimmt, bei dem er die Überführung von geschmuggelten Nashörnern überwachen soll. Diese geht leider schief, da das Überführungskommando in einen Hinterhalt gerät – die ihnen auflauern, scheinen irgendwas zu suchen. Umso eigenartiger, als dass die seltsame Hautkrankheit, die die Rhinos bei der Abfahrt befallen hatte, nach der Ankunft auf wundersame Weise verschwunden ist, ebenso wie die mysteriöse Begleiterin Lemmers, die Lara-Croft-mäßige Flea van Jaarsfeld. Nun, jeder Maskenbildner weiß, dass man Geschwüre super aus Plaste modellieren kann, doch warum sollte man das tun, wenn man nichts darunter verstecken will? Und natürlich: Was?

Zu guter Letzt taucht noch der uns bereits bekannte Mat Joubert auf, der mittlerweile als Privatermittler arbeitet und es gleich zu Beginn seiner Tätigkeit mit dem Fall eines verschwundenen Mannes zu tun bekommt. Dessen Frau hat die Ermittler beauftragt: Ihr Mann sei bereits seit einiger Zeit verschwunden. Es wurde nur sein Auto gefunden, das auf dem Parkplatz seines Fitnessstudios geparkt war. Es gab weder Ehe- noch Geldprobleme, und auch bei der Arbeit in einem Busunternehmen schien alles wunderbar zu laufen. Wobei genau dort Mat dann nach einer gewissen Durststrecke den ersten Hinweis auf den Grund für das Verschwinden findet.

Was mir an diesem Krimi so gut gefallen hat? Er ist wirklich anspruchsvoll und durchdacht. Man muss ein bisschen dabei bleiben und sich konzentrieren, aber dann wird man so das ein oder andere Aha-Erlebnis haben. Die jeweiligen Stories erschienen mir realistisch und nicht konstruiert, was ebenfalls ein großes Plus ist.

Besonders gut fand ich außerdem, dass die Charaktere nicht wie so oft üblich schwarz-weiß gezeichnet sind. Es bleibt noch genug Raum für Uneindeutigkeiten, für persönliche Schwächen bei den „Guten“ und bei einigen Protagonisten eine gewisse Unvorhersehbarkeit, was sich tatsächlich hinter der Fassade verbirgt.

Vorhersehbar ist dagegen mein Fazit: Absolut empfehlenswert!

ISBN: 978-1444740660
504 Seiten
Deutscher Titel: Rote Spur
Hodder & Stougton
€7,90

Crossing the Line – William Finnegan

29. November 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Dieses Buch hat mal wieder eine Geschichte – daher also erstmal kurzes Vorgeplänkel, ehe es zur eigentlich Rezension kommt.

Ich googelte mal vor einiger Zeit die Schule, auf der ich in Südafrika war – einfach um mal zu schauen, ob’s da was Neues gibt. Dazu habe ich nichts gefunden, dafür aber ein paar Seiten aus diesem Buch hier via Google Books. Ich, aufmerksam geworden, lese ein bisschen weiter und finde heraus, dass genannter Autor Anfang der 1980er Jahre während einer Weltreise auch ein Schuljahr an einer südafrikanischen Schule für „Coloureds“ unterrichtet hatte – eben der Grassy Park High School, auf die ich auch gegangen bin. Damit war klar, dass ich dieses Buch lesen muss. Wie das so ist: Lesezeichen gesetzt und erstmal wieder vergessen. Jetzt aus den Archiven geholt und über weite Stellen verschlungen.

Finnegan ist eigentlich, wie gesagt, nur auf Weltreise und landet in Südafrika, damals noch mitten in der Apartheid. Da ihm das nötige Kleingeld fehlt und Lehrer immer knapp sind, verdingt er sich kurzerhand als Lehrer an einer High School für „Coloureds“, also für diejenigen Schüler, die auf der strikten Apartheids-Skala zwischen Schwarzen und Weißen stehen. Es fehlt nahezu an allem, die Lehrpläne sind hoffnungslos ohne Niveau und darüber hinaus hat Finnegan erst einmal gar keine gültige Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis, aber trotzdem stürzt er sich recht idealistisch in seine neue Aufgabe.

Er wird Zeuge der ganz alltäglichen Schikanen, denen alle Nicht-Weißen damals in Südafrika ausgesetzt waren und bemerkt auch die zunehmende Politisierung und Radikalisierung seiner Schüler, die dann im Laufe des Schuljahres in einen weitreichenden Boykott gegen das Regime mündete. Das alles beschreibt er anschaulich mit sehr genauer Beobachtungsgabe, das Lesen ist sehr spannend – vor allem natürlich (aber nicht nur), wenn man sich vor dem inneren Auge alles zumindest so grob vorstellen kann. Einige der Eigenarten und Verhaltensweisen haben sich offensichtlich über diese gut 20 Jahre hinübergerettet, denn bekannt war mir doch das eine oder andere.

Namen usw. wurden aus Sicherheitsgründen offenbar geändert und grundsätzlich ist es natürlich möglich, dass das Ganze an einer anderen Schule in Kapstadt oder irgendwo anders im Land stattgefunden hat – es ist eine wahnsinnig interessante Erzählung aus einem ziemlich absurden Land, die exemplarisch für die frühen 1980er Jahre stehen kann.

Spannend fand ich die persönliche Entwicklung, die Finnegan auch durchaus selbstkritisch beschreibt. Er geht zunächst ein wenig wie der gute Weiße Mann an die Sache ran: Zwar mit großem Interesse an den Südafrikanern, aber doch mit einer gewissen Überzeugung, dass er als Amerikaner einen besseren Unterricht machen kann und seinen Schülern noch wirklich etwas beibringen kann. Man merkt, wie dieser Idealismus im Laufe des Schuljahres schwindet, dass Finnegan jedoch immer großen Respekt und eine große Verbundenheit zu diesem speziellen Teil Südafrikas verspürt. Letztlich ist es allerdings immer klar, dass er als Weißer, noch dazu als Ausländer, nie wirklich wissen kann, wie es ist, als „Coloured“ während der Apartheid zu leben – alle alltäglichen Schikanen treffen ihn eben nie wirklich, und zum Feierabend fährt er wieder zurück in sein weißes, alternatives Studentenviertel. Das meint er mit „Crossing the Line“ – es ist immer eine Linie da, die er täglich überquert und die für seine Schüler und Kollegen aus Grassy Park eine tatsächliche Grenze darstellt.

ISBN: 978-0-89255-325-9
426 Seiten
keine deutsche Übersetzung bekannt
Persea Books
€16,99

Ich kehre zurück nach Afrika – Stefanie Gercke

18. Mai 2011 § Ein Kommentar

Dieses Buch macht mich ratlos. Ich habe es jetzt tatsächlich bestimmt schon zum dritten Mal gelesen, und dabei ist es doch soooo kitschig – damit hab ich’s ja sonst so gar nicht. Und wieso ich es doch immer wieder lese? Null Ahnung. Eigentlich.

Aber erstmal die Handlung: Henrietta wird mit nicht mal 20 von ihren Eltern aus dem winterlichen Hamburg ins tropische Durban geschickt. Dort lebt ihr Onkel Hans mit seiner Frau Gertrude. Henrietta soll sich dort die Flausen aus dem Kopf schlagen – sie hatte es nämlich tatsächlich gewagt, ihren afrikanischen Freund (zwar Diplomatensohn und ergo aus gutem Hause, aber eben schwarz!) an die heimatliche Kaffeetafel mitzubringen!

Henrietta selbst stürzt sich wahnsinnig naiv und voller kindlicher Neugierde in ihr afrikanisches Abenteuer. Von den Gesetzen der Apartheid (das Ganze spielt in den 1960er Jahren) hat sie null Ahnung, sie bewundert die Schönheit der Natur aus vollem Herzen und ist sich sicher: Hier gehört sie hin. Gercke spart hier wahrhaftig nicht mit bildhaften Beschreibungen: Die Nacht ist nicht nur einfach dunkel, nein, sie ist samtig-schwarz und glühend (was auch immer man sich darunter vorstellen mag). Die Inderinnen sind bunt gekleidet wie Schmetterlinge und die Schwarzen tanzen und singen eigentlich ständig. In Afrika ist allgemein alles etwas wilder und ursprünglicher als im kalten, steifen Europa. Kennt man ja.

Blitzschnell findet Henrietta Freunde in der reichen, weißen Oberschicht, unter denen jedoch auch (vereinzelt) die ersten kritischen Stimmen der Rassentrennung gegenüber zu hören sind. Über sie lernt sie Benedict kennen, sehr charmant, sehr gut aussehend, nur leider etwas pleite. Sie verlieben sich (sie natürlich auf den ersten Blick und un-sterb-lich, wie es sich in solchen Geschichten gehört), er ist zwar noch mit ihrer Cousine verlobt, das ficht ihn jedoch nicht an, ihr ebenfalls einen Heiratsantrag zu machen (in erster Linie wegen ihres riesigen Vermögens, das sie in der Zwischenzeit von ihrem verstorbenen Onkel Diederich geerbt hat). Und doch, ach: Schließlich trennt sich Henrietta schweren Herzens von ihm, sie will nicht immer die zweite Frau an seiner Seite sein.

Wenig später – Auftritt Ian: Ein wahnsinnig (!!!!) gut aussehender Schotte, groß, mit kornblumenblauen (!!!) Augen, tritt in ihr Leben und prompt sind die beiden unsterblich verliebt, ach was, Seelenverwandte! Ian ist ein wunderbar starker Mann zum Anlehnen, er übernimmt gern auch mal den Telefonhöhrer, wenn ihr Papa im fernen Hamburg nicht nett zu Henrietta ist. A knight in shining armour, ein Traum, ein Klischee.

Henrietta selbst ist mittlerweile eine gefragte Unternehmerin, sie entwirft Kleider, die in der Upper Class schwer gefragt sind. Und mit zwei bezaubernden Kindern – Jan und Julia – wird das Glück komplettiert.

Wenn sie nicht beim Kauf ihres perfekten Hauses in paradiesisch-perfekter Lage jemandem sehr Einflussreichen auf die Füße getreten wären, hätte es ja so bleiben können. Doch ist dieser jemand der Schwager des berüchtigten Generalstaatsanwaltes Dr. Piet Kruger, der vor recht wenig zurückschreckt. Belastend könnte sein, dass Ian und Henrietta vor Jahren einmal einen Abend im Township Kwa Mashu verbracht haben, und noch viel schwerer wiegt, dass Henriettas Erbschaft auf einem Schweizer Konto verwahrt wird – solche Auslandskonten sind zu dieser Zeit streng verboten und stehen in etwa auf einer Stufe mit Mord. Plötzlich wird das Telefon von Henrietta und Ian abgehört, sie werden beschattet und schließlich tauchen gefälschte Beweise gegen sie auf, die sie für Jahre ins Gefängnis bringen könnten. Es bleibt nur noch ein Weg: Die Familie muss schnellstens das Land verlassen.

Ich glaube, ich weiß, warum ich dieses Buch immer wieder lese: Man kann sich so schön über diese ganzen Stereotypen lustig machen. Und es ist auf vorhersehbare Weise total spannend. Es geht quasi schief, was schiefgehen kann, auf den letzten Metern tauchen noch Probleme auf, man will auf jeden Fall wissen, wie es weitergeht und kann sich doch sicher sein, dass hier ein Happy End folgen wird (haha, und was für eins! Filmreif wäre da noch untertrieben).

Wie schon angedeutet: Dieses Buch ist sooo kitschig! Meine Güte. Von dem Liebesgesülze zwischen Henrietta und Ian bekommt man fast schon Zahnschmerzen. Es ist alles so wahnsinnig klischeehaft überladen, dass man ständig den Kopf schütteln will. Und doch macht das Lesen irgendwie Spaß. Weil man deutliche Grenzen zwischen Gut und Böse hat. Weil man nicht nachdenken muss, wer auf welcher Seite steht. Weil man sich einfach mal hemmungslos dem Schmalz hingeben kann, unter dem Deckmäntelchen, sich für die gesellschaftlichen Zustände im Südafrika der Apartheid zu interessieren. Und weil man ab und zu halt auch mal seine ganz persönliche Fernweh-Schicksalsschmonzette braucht.

Ich steh dazu: Ich mag dieses Buch.

ISBN: 3-426-61498-7

537 Seiten

Knaur

€6,95

Mixed Blood – Roger Smith

7. März 2011 § Ein Kommentar

Action unter südafrikanischer Sonne gewünscht? Bitteschön:

Jack Burn ist auf der Flucht – daheim in den USA ist er durch seine Spielleidenschaft auf die schiefe Bahn geraten und hat einen Polizisten erschossen. Mit seiner Familie (Ehefrau Susan und Sohn Matt) hat er sich unter falschem Namen nach Kapstadt abgesetzt. Südafrika deswegen, weil dort seine schwangere Frau unter zivilisierten Verhältnissen niederkommen kann (Geld ist kein Problem), es aber dennoch chaotisch genug ist, um nicht weiter aufzufallen. So war jedenfalls der Plan. Doch eines Abends – die Familie sitzt gerade beim Abendessen – brechen zwei drogensüchtige Gangster bei ihnen ein. Die Burns sind dabei nur ein Zufallsziel, der Einbruch setzt jedoch eine Reihe von Ereignissen in Gang, die sich von dem sonst so gut organisierten Jack nur schwer kontrollieren lassen: Da er natürlich nicht einfach die Polizei rufen kann, bringt er die Gangster kurzerhand um und entledigt sich ihrer irgendwo in den Townships, wo sowieso ständig Tote auftauchen. Dumm nur, dass das Ganze nicht unbemerkt bleibt: Der Wachmann auf der gegenüberliegenden Baustelle hat zumindest den Einbruch gesehen – als ehemaliger Gefangener will der sich jedoch von allem Ärger fernhalten und bleibt erstmal stiller Beobachter (Später wird er dann aber noch fleißig mitmischen). Um einiges unangenehmer ist Rudi Barnard, der ekelhafte, stinkende, fette und korrupte Cop, der irgendwie ein Überbleibsel aus Apartheidstagen ist, sich munter von allen Seiten schmieren lässt und auch einfach mal Leute umlegt, wenn er Lust dazu hat. Barnard wiederum hatte mit einem der beiden Einbrecher noch eine Rechnung offen, und ist daher nur allzu bestrebt, etwas über den  Verbleib ebendieses zu erfahren. Klar, dass er sich nun an die Fersen diese sonderbaren Amerikaners heftet, bei dem er schon vermutet, dass da etwas faul ist.

Um eines vorneweg zu schicken: Wer empfindlich gegenüber (teils sehr expliziten) Gewaltdarstellungen ist, sollte dieses Buch definitiv nicht lesen. Nichtsdestotrotz ist es schon alleine dadurch (leider) sehr realistisch, denn Kapstadt hat nunmal eine enorm hohe Verbrechensrate, insbesondere in den Vororten auf den Cape Flats, in denen vorwiegend Schwarze und Coloureds leben. In einer gewissen Weise führt es einem vor Augen, dass Kapstadt zwar eine der schönsten Städte der Welt ist, die Hochglanzpostkarten jedoch nur die eine Seite zeigen. Das Kapstadt aus „Mixed Blood“ ist vor allem ein Moloch, dessen schöne Fassade nicht dauerhaft darüber hinwegtäuschen kann, dass auch nach dem Ende der Apartheid ein Großteil seiner Bewohner außer Prostitution und Drogenhandel keine Perspektive im Leben haben und dass Korruption oftmals die einzige Möglichkeit ist, irgendetwas von staatlichen Organen zu bekommen.

Schlecht fand ich das Buch aber überhaupt nicht. Klar waren mir die expliziten Gewaltdarstellungen manchmal etwas zu krass, aber dafür ist die Handlung wahnsinnig spannend und es gibt jede Menge Action. Während Jack Burn manchmal etwas blass bleibt, ist Barnard einer der widerlichsten Charaktere, die mir seit langem untergekommen ist – da hätte es nicht einmal mehr die wiederholte Beschreibung seines üblen Körpergeruchs gebraucht. Allgemein sollte man keine psychologischen Raffinessen erwarten – in der Regel hat man schnell herausgefunden, wie die Protagonisten ticken. Aber letztlich ist das ja bei einem solchen Buch auch durchaus in Ordnung.

ISBN: 978-0312429508

320 Seiten

Deutscher Titel: Kap der Finsternis

Picador

€11,10

Der traurige Polizist – Deon Meyer

20. September 2010 § Ein Kommentar

Ich hab vor kurzem mal wieder ein bisschen Zeit in Kapstadt verbracht….. leider aber nur lektüretechnisch. Und zwar mit der erneuten Lektüre meines ersten Deon-Meyer-Buchs.

Auch wenn Südafrika eine enorm hohe Mordrate hat: Weiße Männer sind eher seltener die Opfer. Umso mehr stellt eine Mordserie in Kapstadt die dortige Mordkommission unter Leitung von Mat Joubert vor ein Rätsel: Die erschossenen Männer scheinen außer ihrer Hautfarbe keinerlei Berührungspunkte miteinander zu haben. Ein erfolgreicher Geschäftsmann ist darunter, aber auch ein klassischer Verlierer und Taugenichts. Ein heterosexueller Frauenheld ist ebenso Opfer wie ein Schwuler und ein Pfarrer. Doch alle werden mit der gleichen alten und entsprechend seltenen Pistole erschossen. Ernstzunehmende Zeugen gibt es nicht, Hinweise auf den Täter fehlen.

Zu allem Überfluss treibt zur gleichen Zeit auch noch ein Bankräuber am Kap sein Unwesen, der die Kassiererinnen immer „Süße“ nennt und nach ihrem Parfum fragt – oder sollte es vielleicht doch eine Verbindung geben zwischen ihm und dem Mörder?

Es scheint mittlerweile Standard bei Krimis zu sein, dass die Ermittler so ihre Problemchen mitschleppen. Mat Joubert hat da auch sein Päckchen zu tragen: Seine Frau Lara, wie er Polizistin, wurde vor zwei Jahren im Einsatz erschossen – ihren Tod hat Mat noch nicht ansatzweise verarbeitet. Dies und sein ungesunder Lebensstil führen zu einem Ultimatum seines Chefs: Entweder, er lebt gesünder und lässt sich psychologisch betreuen, oder er könnte seinen Job verlieren.

Dieser Deon Meyer hat mich damals angefixt, wenn man so sagen will. Auch wenn ich mich beim zweiten Lesen noch dran erinnern konnte, wer der Täter war, hat das doch nichts von der Spannung rausgenommen. Und das spricht ja eigentlich schonmal für sich. Die Krimihandlung, die privaten Probleme Jouberts sowie vereinzelte Anspielungen auf die Realität im Südafrika nach der Apartheid ergänzen sich ziemlich gut, wie ich fand – nichts lenkt zu sehr vom anderen ab, und die Grundspannung bleibt immer erhalten. Leseempfehlung für alle, denen auch nach der WM das Thema Südafrika nicht zum Hals raushängt!

Zeitlich liegt „Der traurige Polizist“ übrigens vor dem hier bereits rezensierten „Devil’s Peak“.

ISBN: 978-3746621708

452 Seiten

Originaltitel: Dead before Dying

Aufbau Taschenbuch

€9,95

Devil’s Peak – Deon Meyer

16. September 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Um was gehts? Thobela ist ein ehemaliger Freiheitskämpfer, der in der Sowjetunion und der DDR im Kampf gegen die Apartheid ausgebildet wurde und sich nach einer kriminellen Karriere im „neuen“ Südafrika nun endlich mit seinem Sohn als Farmer niederlassen will. Doch die beiden geraten in eine Schießerei, und Thobela muss mit ansehen, wie sein Sohn von einer Kugel getroffen wird und stirbt. Das alleine wäre schon schlimm genug, aber die Täter können, kaum von der Polizei verhaftet und vor Gericht gestellt, wieder fliehen. Von der Justiz enttäuscht, schwört Thobela Rache: Er sucht systematisch diejenigen Täter auf, die sich an Kindern vergangen haben, die Pädophilen und Vergewaltiger, und tötet sie mit einem Assegai, einem traditionellen Zulu-Speer.

Detective Benny Griessel soll den Täter, den die Presse bald „Artemis“ nennt, stellen. Abgesehen davon, dass die Polizei in Kapstadt chronisch unterbesetzt ist, hat Griessel eigentlich genug eigene Probleme: Seine Frau hat ihn vor die Tür gesetzt, weil er Alkoholiker ist, und er muss sich der Erkenntnis stellen, dass er alles aufs Spiel gesetzt hat, was ihm wichtig ist: Seine Frau, seine Familie und vor allem seine beiden Kinder.

Darüber hinaus finden einige seiner Kollegen eigentlich gar nichts Schlimmes dabei, diejenigen zu töten, die sich an kleinen Kindern vergehen: Ist nicht eine lebenslange Haftstrafe noch zu gut für solche Menschen? Will nicht die Mehrzahl der Südafrikaner sowieso die Todesstrafe zurück?

Fazit: Wer Kapstadt kennt, muss nur dieses Buch lesen und ist wieder da. Alles sehr authentisch capetonian, mit hohen Wiedererkennungseffekt. Die Leute trinken Castle Lager, gehen einkaufen bei Pick’n’Pay und lesen Die Burger und The Argus, auf Kfm dudelt ein Liedchen, während die Polizei in Durbanville, Camps Bay, Parow und sonstwo ermittelt… Also: Alleine schon deshalb ist das Buch ganz toll und wird hiermit wärmstens allen empfohlen, die dieses schöne Fleckchen Erde kennen.

Nun, das ist ja schön, aber hat auch wer was davon, der noch nie dort war? Aber klar. Nämlich einen wirklich, wirklich spannenden Krimi, der mich praktisch von der ersten Seite an nicht mehr losgelassen hat. Anfangs gibt es drei Handlungsstränge: Thobelas Geschichte und sein Rachefeldzug, die Handlung um Griessel und die Polizisten in ihren bisherigen Ermittlungen sowie Callgirl Christine, die einem Geistlichen ihre Lebensgeschichte erzählt. Wie das mit der restlichen Handlung zusammenhängt, kommt erst ein wenig später ins Spiel.

Als relativ untypisch für einen Krimi empfand ich, dass die Polizei erst mit einem anderen Fall beschäftigt ist, diese dann löst und dann erst allmählich in die Ermittlung des Hauptfalls einsteigt. Aber der Spannung tat das keinen Abbruch, keine Angst. Auch der Charakter von Benny ist sorgfältig ausgearbeitet, man kann seine Ängste gut nachvollziehen, aber gleichzeitig lenkt das alles nicht zu sehr von der Handlung ab.

Gerade das Finale war recht komplex geraten, so dass man sich zuweilen schon konzentrieren musste, um nicht den Faden zu verlieren. Das empfand ich aber eigentlich nicht als negativ.

Von Deon Meyer hatte ich bisher schon „Der traurige Polizist“ gelesen (dessen Protagonist, Mat Joubert, dieses Mal im Übrigen wieder auftaucht, da er Bennys Vorgesetzter ist), und ich bin mir jetzt sicher: Ich werde mir alle restlichen Bücher von ihn ebenfalls besorgen. Definitiv.

ISBN: 978-0340822661

416 Seiten

Deutscher Titel: Der Atem des Jägers

Hodder & Stoughton

€9,30

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