Die Korrekturen – Jonathan Franzen

30. Dezember 2014 § 7 Kommentare

IMG_7950Das Statement, das ich am häufigsten gehört habe, während ich „Die Korrekturen“ gelesen habe? „Ach ja, das hab ich auch mal angefangen. Bin aber nicht weit gekommen, ich fands zu langatmig/langweilig/doof!“. Haha, ja, an dem Punkt war ich auch einige Male. Wenn die Protagonisten mal wieder überhaupt nicht klarkamen und sich ad nauseam mit irgendwelchen Scheißproblemen (durchaus auch mal im Wortsinne) beschäftigt haben. Und dann habe ich mich doch weiter durchgebissen (warum auch immer) und habe dann ein paar Seiten später wieder herzhaft gelacht und das Lesen genossen. Und ich bin immer noch nicht wirklich dahintergestiegen, was genau an diesem Buch diese etwas extremen Reaktionen in mir ausgelöst hat.

Bei den „Korrekturen“ geht es um Familie Lambert aus dem Mittleren Westen der USA. Enid und Alfred haben drei erwachsene Kinder, Gary, Chip und Denise, und genug eigene Probleme: Alfred ist auf dem Weg in die Demenz und zusätzlich durch Parkinson und weitere Gebrechen gehandicapt. Enid ist eigentlich die Optimistische und Unternehmenslustigere, sie ordnet sich aber dem zunehmend starrsinnigen Alfred unter.

Und auch bei den Kindern täuscht die Fassade gewaltig: Gary ist zwar beruflich erfolgreich, hat eine schöne Frau und drei gesunde Kinder, schrammt aber regelmäßig knapp an einer Depression vorbei. Chip, der Mittlere, arbeitet mitnichten beim „Wall Street Journal“, wie Enid gerne erzählt, sondern bei irgendeinem drittklassigen Käseblatt, das halt nur einen ähnlichen Namen hat. Das aber erst, nachdem er wegen einer Affäre mit einer Studentin seinen vielversprechenden Dozentenjob an einer Uni verloren hatte. Und zum Schluss landet er in Litauen, wo er einem (Ex-)Politiker bei, ich sag mal, dubiosen „Internet-Aktivitäten“ behilflich ist. Und Denise, die Starköchin? Sie ist tatsächlich gefeiert in ihrem Job, hatte einen Kollegen geheiratet und mit ihm gemeinsam ein Restaurant geführt. Dann kam die Scheidung und ein neuer Job, bei dem sie jedoch gefeuert wurde, weil sie mit der Frau ihres Chefs eine Affäre angefangen hat.

Und in diesem ganzen Durcheinander will Enid eigentlich nur noch eines: Ein letztes Mal Weihnachten feiern, gemeinsam mit der ganzen Familie, mit Kindern und Enkeln.

Ja, also, wie gesagt. Dieses Buch hat in mir sehr zwiespältige Gefühle ausgelöst. Ich gebe zu: Am Schluss wars erst einmal die Freude, es endlich geschafft zu haben. Doch irgendwie bin ich ja doch immer bei der Stange geblieben, über alle Längen und sinnentleerten Dialoge hinweg. Das mag daran gelegen haben, dass da dann doch so ein Sprachwitz durchblitzte, den ich mochte, und dass hinter alldem das Wissen stand, dass man die Schilderung einer amerikanischen Durchschnittsfamilie um die Jahrtausendwende vor sich hat, die nicht allzu weit hergeholt zu sein scheint.
Ob man dieses Buch jetzt allerdings unbedingt gelesen haben muss – ich weiß es nicht. Franzen macht es einem recht schwer, dabei zu bleiben, vor allem durch die tatsächlich sehr langatmigen Schilderungen und die samt und sonders unsympathischen Charaktere. Verlorene Lebenszeit wars nicht, aber wirklich was gewonnen hab ich dabei auch nicht.

Unter Haien – Nele Neuhaus

5. September 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

IMG_7933Ich muss ja zugeben: Beim Lesen des Klappentextes dachte ich sofort, dass ich es mit einer Kopie von Grishams Firma zu tun haben würde. Glücklicherweise hatte ich mich da getäuscht und die Story hier hatte doch noch einen etwas anderen Fokus.

Alex Sontheim ist eine deutsche Investmentbankerin, die grade Überholspurkarriere an der Wall Street macht. Sie bekommt ein äußerst lukratives Angebot bei der Investmentfirma LMI, wo sie ab sofort  für den Bereich Mergers & Acquisitions zuständig sein wird.

Auf diese Weise wird sie in die High Society von New York eingeführt und trifft auf einer Penthouseparty den italienischen Geschäftsmann Sergio Vitali. Sergio hatte ich mir immer als eine Art George Clooney vorgestellt: Sehr charmant und sehr, sehr gutaussehend… Ihr ahnt es schon: Alex wird seine Geliebte. Sergio scheint verrückt nach ihr zu sein, stellt sie wichtigen (noch wichtigeren) Leuten vor und kauft ihr mal eben ein Penthouse am Central Park. Dass er sowas quasi aus der Portokasse zahlen kann, zeigt uns schon: Der Typ ist nicht ganz sauber.

Schon sehr früh wird Alex auch von verschiedenen Leuten, allen voran von dem Bürgermeister Nick Kostidis, gewarnt: Sergio sei in krumme Geschäfte verwickelt und es sei gefährlich, sich mit ihm einzulassen. Kurz danach hört Alex auf einer Feier zufällig mit, dass Sergio offenbar jemanden hat erschießen lassen, der gegen ihn aussagen wollte. Sergio entpuppt sich schnell als Pate von New York, der nahezu alle wichtigen Leute in der Stadt geschmiert hat und ein weitverzweigtes Netz von OK, Geldwäsche und Korruption gespannt hat. Kostidis ist ihm immer auf den Fersen, alle Beweis gegen Vitali lösten sich allerdings im letzten Moment in „Luft“ auf.

Alex wird immer misstrauischer und entschließt sich, beim Kampf gegen Sergio zu helfen. Erschwerend kommt jedoch hinzu, dass auch ihre Firma mit Sergio verbandelt ist. Ihr Chef und einige andere Kollegen betreiben Insiderhandel mit den Informationen, die sie zusammenträgt. Sie muss also schnellstens handeln, um nicht bald selbst im Knast zu landen oder umgebracht zu werden.

Auf jeden Fall ist „Unter Haien“ eine unterhaltsame und spannende Story. Mir waren es nur manchmal ein paar Twists zu viel und (Achtung, Mini-Spoiler – Text einfach markieren) die Liebesgeschichte zwischen Alex und Nick war in meinen Augen eher unnötig. Außerdem sorgte das für die schlechteste Liebesszene, die ich seit längerem gelesen habe. Holla. 

Aber von dieser Kleinigkeit abgesehen musste ich irgendwie immer weiterlesen und fühlte mich dabei immer gut unterhalten. Und das ist doch die Hauptsache.

ISBN: 978-3548284798
672 Seiten
Ullstein Taschenbuch
€9,99

Back to Blood – Tom Wolfe

1. September 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

IMG_7930Ein passendes Genre für diese Geschichte zu finden, ist gar nicht so leicht. Vielleicht am ehesten „Multikulti-Satire-Roman“? Es geht jedenfalls um das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft, um Gewinner und Verlierer – und letztlich fällt alles immer darauf zurück, von woher die eigenen Eltern oder sonstige Ahnen irgendwann mal eingewandert sind.

Nestor Camacho ist Mitte 20 und Polizist. Eines Tages fällt ihm die unangenehme Aufgabe zu, einen kubanischen Flüchtling von einem Bootsmast zu holen. Nestor hat ihm zwar wahrscheinlich das Leben gerettet, der Flüchtling konnte dadurch aber nicht den rettenden amerikanischen Boden erreichen und wird wahrscheinlich nach Kuba zurückgeschickt.

Nestor ist dummerweise selbst kubanischstämmig und für seine Community fortan ein Verräter. Seine Familie will nichts mehr von ihm wissen und sogar seine Freundin Magdalena verlässt ihn.

Magdalena wiederum will unbedingt gesellschaftlich aufsteigen und schläft deswegen mit ihren Chef, einem Psychiater für Pornografiesüchtige. Sie findet ihn eigentlich gar nicht mal so scharf, aber er kann sie eben in die High Society Miamis einführen. Dadurch lernt sie viele wichtige und einflussreiche Leute kennen, unter anderem den russischen Millionär Sergej Koroljow. Sergej ist so charmant und kultiviert, kurzum: viel attraktiver als ihr Chef, weswegen sie diesen abserviert und mit jenem in der Kiste landet. Was sie nicht weiß: Koroljow hat möglicherweise ziemlichen Dreck am Stecken und ausgerechnet ihr Ex Nestor versucht, ihm auf die Schliche zu kommen.

Nestor nämlich wird von John Smith kontaktiert, einem weißen Journalisten, der über seine Heldentat berichtet hatte. Denn für alle Nicht-Kubaner hat der durchtrainierte Nestor eine wahre Heldentat vollbracht, als er da einfach so auf den Mast kletterte und dem armen Flüchtling das Leben rettete. Und Smith hat noch eine weitaus spannendere Geschichte auf Lager: Koroljow hat einem Museum in Miami Kunstwerke im Wert von mehreren Millionen Dollar gestiftet – das Museum trägt sogar seinen Namen. Die Kunstwerke sollen aber gefälscht sein und John will gemeinsam mit Nestors Hilfe herausfinden, ob an diesem Verdacht etwas dran ist.

Wolfe hat es auf jeden Fall geschafft, einige sehr sympathische Charaktere zu schaffen, die er in eine ebenfalls gute und interessante Story einbindet. Manchmal ist die Geschichte etwas zäh und langatmig geraten, es gab einige Handlungsstränge, die nicht (oder nicht in dieser Länge) notwendig gewesen wären. Das Ganze ist außerdem als Satire zu lesen. Deswegen ist manches überzeichnet und over the top, aber unterm Strich ist das hier ein unterhaltsam zu lesender Roman über die moderne amerikanische Multikultigesellschaft.

ISBN: 978-3896674890
768 Seiten
Originaltitel: Back to Blood
Karl Blessing Verlag
€24,99

Tiger, Tiger – Margaux Fragoso

18. August 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Das hier war in jeglicher Hinsicht ein ziemlich dicker Brocken. Nicht nur im Hinblick auf die Thematik, sondern auch in Bezug auf Handlung und Charaktere war hier wenig sommerlich leicht und luftig, sondern ziemlich heftig und trostlos. Aber kein Wunder: Das Thema dieses (autobiografischen) Romans ist Pädophilie (Als Hinweis für alle, die bei diesem Thema sensibel sind: Auf einzelne Aspekte davon gehe ich in meiner Rezension auch ein).

Als sich Margaux und Peter kennenlernen, ist sie 7 und er über 50. Zunächst scheint es so, als fände Margaux bei Peter, dessen Lebensgefährtin Inés und seinen beiden älteren Söhnen eine Art Ersatzfamilie – Margaux‘ eigene Eltern können ihr nicht allzu viel Liebe und Rückhalt geben, da ihre Mutter psyschich krank ist und ihr Vater seine eigene Unsicherheit und Unzufriedenheit vor allem an seiner Tochter auslässt. Liebevolle Momente gibt es selten. Bei Peter jedoch ist sie immer willkommen, er hat einen schönen Garten und viele exotische Tiere, auch wenn das Haus an sich etwas heruntergekommen ist.

Zunehmend fordert Peter als Zeichen der Verbundenheit Dinge ein, für die Margaux eigentlich noch viel zu jung ist: Sie soll sich in aufreizender Pose fotografieren lassen, sie soll sich von Peter anfassen lassen und soll auf seine zunehmend sexuellen Anspielungen eingehen. In der Folge manipuliert Peter Margaux mehr und mehr, so dass sie schließlich vollkommen fixiert ist auf ihn, ihren einzigen richtigen Freund.

Margaux‘ Eltern schöpfen zwar Verdacht, und vor allem ihre Vater versucht, sie von Peter fernzuhalten, aber Margaux selbst wehrt sich dagegen und verlangt, Peter sehen zu dürfen. Sie ist gefangen in einer Hassliebe zu Peter: Sie will diese Spielchen gar nicht mitmachen, sie hasst Peter dafür, dass er sie dazu zwingt und dermaßen manipuliert, sie kämpft um eine eigene Identität, sie beginnt, sich für gleichaltrige Jungs zu interessieren – und gleichzeitig kann sie selbst nicht von dieser Beziehung lassen…

Also, ja. Das ist alles sehr unschön. Ich fand das Buch sehr heftig, nicht nur aus den offensichtlichen Gründen. Ich fand hier eigentlich keinen positiven Charakter. Vor allem die männlichen Protagonisten sind alle manipulativ, unsicher, weinerlich und fügen den Frauen in ihren Leben Schaden zu. Aber auf der anderen Seite muss man dem Buch auch lassen, dass Peter nie als das Monster dargestellt wird, als das die Gesellschaft einen Pädophilen gerne sehen möchte. Fragoso schafft den Spagat, ihn irgendwie als Menschen und als arme Sau darzustellen, aber gleichzeitig seine Taten nicht zu verharmlosen oder so zu tun, als sei das alles gar nicht seine Schuld, er könne ja nicht anders.

Margaux (und letztlich auch ihre Mutter) hatten irgendwie nie eine richtige Chance, aus ihrem Leben etwas zu machen. Es gibt in diesem Buch keine „gesunde“ Beziehung, selbst die Nebenfiguren sind immer in irgendeine Geschichte involviert, die ihnen nicht gut tut, wo einer der Partner (oder beide sich gegenseitig) den anderen einschränkt und verletzt.

Nichts für nebenher, nichts für jeden, aber mit diesen Einschränkungen eigentlich schon ein lesenswertes Buch.

ISBN: 978-3453356856
464 Seiten
Originaltitel: Tiger, tiger: A memoir
Diana Verlag
€9,99

Tödliche Spiele (Die Tribute von Panem, Bd. 1) – Suzanne Collins

4. August 2014 § Ein Kommentar

Nein, ich lese mitnichten so viel zur Zeit, ich muss nur meine Motivation grade nutzen, um meinen Rezensionsstau abzuarbeiten. Nachdem nun diese Trilogie sogar schon verfilmt wurde und mich die Filme auch interessiert hatten, wollte ich vorher noch unbedingt die Bücher lesen. Und die sollen ja so SPANNEND sein!! Der erste Band durfte mich auch direkt mal wieder auf eine Dienstreise begleiten (die erfahrene Dienstreisende weiß, dass man bei manchen Trips lieber schonmal prophylaktisch für Spannung sorgt – manchmal braucht man das. Dieses Mal wäre es zwar gar nicht nötig gewesen, aber better safe than sorry. Ihr wisst schon).

Das Amerika der Zukunft ist in 12 Distrikte aufgeteilt. Es gab auch mal einen 13. Distrikt, doch dieser wurde nach einem Aufstand dem Erdboden gleichgemacht. Seitdem veranstaltet die Regierung zur Machtdemonstration jedes Jahr die so genannten Hungerspiele: Die Namen aller Kinder und Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 wandern dabei in jedem Distrikt in einen großen Lostopf. Diejenigen (1 Junge, 1 Mädchen), deren Namen gezogen werden, werden als Tribute in die Hauptstadt, das Kapitol, entsandt. Die Tribute müssen sich in einer Arena bekämpfen, bis nur noch einer überlebt hat und zum Sieger ernannt wird. Das Ganze wird live im TV übertragen und ist ein riesiges Ereignis.

Katniss, ihre kleine Schwester Prim und ihre Mutter leben im 12. Distrikt, einem der ärmsten Distrikte. Katniss jagt illegal im Wald und ernährt so ihre Familie. Prim ist ihr Ein und Alles, die Mutter ist seit dem Tod des Vaters depressiv und antriebslos. Als für die diesjährigen Hungerspiele Prim ausgelost wird, meldet sich Katniss freiwillig, um ihre kleine Schwester zu retten. Ihr Partner wird Peeta, ein Bäckersjunge, der ihr vor einigen Jahren das Leben gerettet hat. Die Tribute werden zunächst in die Hauptstadt gebracht, um dort ein Training zu erhalten und durch öffentliche Auftritte um Sponsoren zu werben.

In der Arena hat Katniss nicht nur mit ihren Gegnern zu kämpfen: Einsamkeit, Wasserknappheit und Verletzungen machen ihr zu schaffen. Zudem ist sie sich nicht im Klaren, was Peeta eigentlich für eine Agenda hat: Dieser hatte bei seinen Auftritten auf einmal den Verehrer von Katniss gespielt – oder ist er tatsächlich schon lange in sie verliebt? Aber wieso scheint er sich dann zunächst mit anderen Tributen gegen Katniss zu verbünden? Wie auch immer, überleben wollen schließlich alle. Und Katniss hat sich geschworen, heil nach Hause zu Prim und zu ihrem Freund Gale zurückzukehren.

Katniss ist eine sehr interessante Heldin. Sie ist tough und unabhängig, natürlich, aber mit Ecken und Kanten und Schwächen. Das hat mir sehr gut gefallen, sie ist endlich mal ein role model, wie man es sich grade für Mädchen öfter wünscht. Die Story an sich hatte außerdem viel Drive; dass sie ein Pageturner ist, haben viele vor mir schon gesagt und geschrieben.

Teil 2, ich komme!

ISBN: 3-86274-141-9
416 Seiten
Originaltitel: The Hunger Games
Verlag Friedrich Oetinger
€8,99 (ebook)

Looking for Alaska – John Green

29. Juli 2014 § 2 Kommentare

IMG_7896Miles war an seiner bisherigen Schule in Florida eher ein Außenseiter und hatte auch sonst nicht das spannendste Leben. Um daran etwas zu ändern, welchselt er auf ein Internat in Alabama. Dort findet er schnell Freunde: Seinen Zimmergenossen Chip, seine Mitschüler Takumi und Lara und vor allem Alaska: Traumhaft hübsch, sexy, unternehmungslustig, klug und geistreich im Streiche-Ausdenken, aber auch launisch, unberechenbar und depressiv.

Die fünf werden Freunde und unternehmen viel zusammen; Alaska verkuppelt Miles sogar mit Lara und gibt den beiden Tipps, als es mit der, nun ja, körperlichen Annäherung nicht so ganz klappen will. Dabei ist Miles wenigstens ein bisschen in (die vergebene) Alaska verliebt. Und immerhin: An einem Abend gelingt es Miles immerhin, von Alaska geküsst zu werden, doch ehe sie ihr irgendwie geartetes Versprechen auf „mehr“ einlösen kann, passiert etwas, das die bisher eigentlich relativ heile Welt der Freunde durcheinanderwirbelt und sie vor Fragen stellt, die sie sich so noch nie stellen mussten.

Die Geschichte ist in „before“ und „after“ eingeteilt und klugerweise gibt auch der Klappentext keine weiteren Informationen, was dieses „after“ eigentlich ist. Und das fand ich gut, weswegen ich euch auch nicht mehr verraten will. „Before“ ist eine normale, lockere und lustige Internatsgeschichte, wie es schon andere vor ihr gab und wie sie jetzt nicht sooo speziell war. „After“ hat mir jedoch dafür um einiges besser gefallen. Es ist etwas passiert, was normalen Teenies sonst nicht widerfährt, und so geht es um Fragen, mit denen man sich in diesem Alter eigentlich auch nicht beschäftigen sollte. Hier kommt dann der Tiefgang rein und bildet einen krassen Kontrast zu dem unbeschwerten „Before“-Teil.

Die Charaktere fand ich sehr sympathisch, jeder brachte so eine andere Facette mit rein; Alaska war vielleicht ein wenig too much. Aber ja, auf der anderen Seite ist sie ein extremer Charakter, der auch immer wieder zeigt, wie viel Klugheit und Verletzlichkeit hinter der ach-so-harten Schale steckt. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie bei vielen Leserinnen (und sicher auch Lesern) gut ankommt.

Alles in allem also ein wirklich lesenswertes YA-Buch mit einigen ernsten und wichtigen Themen im Hintergrund.

ISBN: 978-0-14-240251-1
221 Seiten
Deutscher Titel: Eine wie Alaska
Penguin
€7,20

Leises Gift – Greg Iles

27. Juli 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

IMG_7891Ein Buchcover mit großer, roter Schrift bedeutet ja in der Regel „Hochspannung, Baby!“ Ob Mr. Iles dieses Versprechen ebenfalls halten kann? Schauen wir mal nach:

Der Arzt Dr. Chris Shepard bekommt eines Tages Besuch in seiner Praxis: Eine Frau mit stark vernarbtem Gesicht bittet ihn um ein Gespräch. Alex Morse, so ihr Name, ist FBI-Agentin, wurde aber nach einem Unfall im Dienst (daher auch die Narben) beurlaubt. Sie ermittelt trotzdem in einer Sache auf eigene Faust. Alex ist einer Reihe von Todesfällen auf der Spur, die alle eines gemeinsam haben: Alle Opfer sind mit überaus wohlhabenden Partnern verheiratet gewesen, und bei allen hat ebendiese/r Partner/in einen bestimmten Scheidungsanwalt kontaktiert. Die Todesfälle sehen allesamt aus wie natürliche Tode: Leukämie, Schlaganfälle und ähnliches. Und so hätte wohl keiner etwas Böses vermutet, wäre nicht eines der Opfer die Schwester von Alex gewesen, die ihr kurz vor ihrem Tod noch zugefüstert hatte, dass ihr Mann sie ermordet hätte.

Alex heftet sich auf die Fersen des Scheidungsanwaltes und findet heraus, dass dieser offenbar eine neue Klientin hat: Thora Shepard, die Frau von Chris. Sie will Chris warnen und ihn gleichzeitig um seine Hilfe bitten, denn vielleicht können sie über Thora weitere Hinweise bekommen.

Chris kann seiner Frau natürlich nicht mehr unbefangen entgegentreten, da er nicht weiß, auf welchem Weg die Krankheiten der bisherigen Opfer ausgelöst wurden: Durch vergiftete Nahrungsmittel, durch Medikamente, durch medizinische Behandlungen? Zu allem Überfluss findet Chris heraus, dass Thora tatsächlich eine Affäre hat – und da ihn das überzeugt hat, versuchen die beiden gemeinsam, Chris‘ Leben zu retten und die Täter zur Strecke zu bringen.

Als Leserin weiß man schon recht früh, wer diese Täter sind und (in etwa jedenfalls), welche Methoden sie anwenden, um ihre Opfer ohne Spuren zu töten. Und wir wissen, wie skrupellos sie jeden umbringen, der ihnen irgendwie im Weg stehen könnte.

Ob das Szenario so 100%ig realistisch ist, müssen andere entscheiden. Auch sind die Charaktere (vor allem die Bösen) etwas überzeichnet – Kategorie „James Bond-Bösewicht“. Aber das alles schadet eigentlich gar nicht so sehr – schöne Strandlektüre, wie ich fand, mit spannendem Showdown.

ISBN: 978-3-404-15967-3
602 Seiten
Originaltitel: True Evil
Bastei Lübbe
€9,95

Die Versuchung – David Baldacci

14. Juli 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

„Die Versuchung“ wartete schon seit längerer Zeit auf meinem Reader, bis mir neulich auf Dienstreise nach solider und eher leichteren Thrillerunterhaltung war.

Leute wie LuAnn Tyler nennt man in der Regel „white trash“: Sie ist Anfang 20, hat eine kleine Tochter und lebt zusammen mit ihrem Loserfreund Duane in – ja, richtig, einem Wohnwagen. Eines Tages bittet sie ein Mann mit der Aussicht auf ein Jobangebot um einen Termin in seinem Büro. Jackson, wie er sich nennt, hat jedoch ein etwas anderes Angebot – eines, das sie nicht ablehnen kann: LuAnn soll Lotto spielen und Jackson könne ihr garantieren, dass ihre Zahlen gezogen werden und sie mehrere Millionen Dollar gewinnen wird. Danach wird er ihr helfen, das Geld anzulegen, so dass sie ihr Leben ab sofort als eine der reichsten Frauen der Welt würde führen können. Der Haken? Sie müsste direkt nach der Ziehung mit einer falschen Identität das Land verlassen und dürfte nie wieder in die USA zurückkehren. Und (aber das wissen nur die Leser) sollte LuAnn ablehnen, würde Jackson sie töten müssen.

Doch so weit kommt es gar nicht, denn LuAnn will alles tun, um ihrem miesen Leben zu entfliehen. Alles läuft (fast) wie geplant, und LuAnn kann die kommenden zehn Jahre in größtem Reichtum zusammen mit ihrem väterlichen Freund Charlie und ihrer Tochter Lisa verbringen. Nach Jahren des Umherziehens und immer wieder Neu-Ankommens wollen die drei jedoch zurückkehren. Sie kaufen ein abgeschiedenes Haus auf dem Land und beauftragen den Bauunternehmer Matt Riggs damit, ihr Grundstück entsprechend abzusichern. Was sie nicht wissen: Trotz falscher Identität sind sie aufgespürt worden. Einmal von einem Enthüllungsjournalisten, der der Geschichte des Lotteriebetrugs auf der Spur ist, und einmal von Jackson selbst, der dummerweise ein wahrer Verwandlungskünstler ist. Und auch Matt Riggs ist natürlich nicht immer Bauunternehmer gewesen…

Ich brauche wohl nicht extra zu erwähnen, dass es hier schon manchmal zur Sache geht, auch wenn die richtig großen Überraschungen wegbleiben. Zwischendurch flaute die Spannung ziemlich ab, um dann aber zum Ende hin wieder Fahrt aufzunehmen. Und ja, auch LuAnn war mir wieder zu tough, zu stark, zu makellos. Das hat mir auch grade den Schlussteil etwas vermiest, weil dann doch zu viel Unrealistisches passiert und sich LuAnn aus den unmöglichsten Situationen befreien kann. Alles in allem ganz nett, aber eher nur Durchschnitt.

ISBN: 978-3404143481
640 Seiten
Originaltitel: The Winner
Bastei Lübbe
€4,99 (ebook)

Chuzpe – Lily Bret

15. Juni 2014 § 4 Kommentare

IMG_7751Ruth Rothwax ist perfektionistisch, recht unlocker und meistens überspannt. Bisher kann sich (davon abgesehen) ihr Leben aber durchaus sehen lassen: Drei wohl geratene und fast erwachsene Kinder, ein schickes Loft in New York, einen liebevollen Künstlerehemann (der allerdings gerade im Ausland arbeitet) und ihre eigene Firma – sie ist mit ihrem Schreibbüro erfolgreich und ihre Kunden schätzen ihre Begabung, für jede Situation die richtigen Worte zu finden.

Allerdings ist da noch Edek, Ruths Vater, der beschlossen hat, von Melbourne nach New York zu ziehen. Zunächst bringt er sich wenig hilfreich in die Firmenabläufe ein und bezaubert alle außer Ruth mit seinem Charme. Ruth liebt ihren Vater zwar abgöttisch, aber seine Ideen und Handlungen laufen konträr zu ihrem Ordnungssinn. Dann beginnt sich Edek plötzlich rar zu machen und tut geheimnisvoll – der Grund für das alles ist, wie sich schnell zeigt, die dralle Polin Zofia. Zofia und ihre Freundin Walentyna hatten Vater und Tochter Rothwax (selbst polnische Juden und – was Edek betrifft – Auschwitzüberlebende) auf einer Reise nach Polen kennengelernt. Ruth wusste natürlich nicht, dass Edek die beiden kurzerhand eingeladen hat, per Greencard in die USA zu kommen. Sogleich wird die bereits in Polen begonnene Bettgeschichte zwischen Zofia und Edek wieder aufgewärmt und das Trio kommt mit einer wahnwitzigen Idee um die Ecke: Sie wollen ein polnisches Klopsrestaurant eröffenen, denn Zofias Fleischklopse gehören zu den besten der Welt. Da kann doch nicht schiefgehen, oder?

Ruth und Edek klingen anstrengend und sind es auch. Auf der anderen Seite sind sie irgendwie liebenswert, so dass diese Geschichte nur manchmal nervt. Immerhin: Ruth macht eine Entwicklung durch und wird ein wenig lockerer. Leider ist das Ende dann ziemlich übertrieben und noch etwas unrealistischer als der Rest. Unterm Strich war ich aber immer so ein wenig hin- und hergerissen, wie ich diese Geschichte denn finden soll, denn es gab auch viele witzige Elemente. Alles in allem ist es eine nette, lockere Unterhaltung, die man lesen kann, aber nicht gelesen haben muss.

ISBN: 978-3518459225
334 Seiten
Originaltitel: You gotta have balls
insel taschenbuch
€9,99

11.9.: Zehn Jahre danach – Der Einsturz eines Lügengebäudes – Mathias Bröckers/Christian C. Walther

8. Juni 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Es ist ja so: Verschwörungstheoretiker würden sich selbst ja nie als solche bezeichnen. Denn sie wissen es ja besser und kennen die „Wahrheit“. Insofern klinge ich wohl nicht sonderlich glaubwürdig, wenn ich jetzt behaupte, ich hätte dieses Buch nur aus Interesse gelesen und fände alle diese Ideen von vorneherein schwachsinnig… Aber es ist wirklich so, dass ich mich für Verschwörungstheorien an sich interessiere und gerade diejenigen um die Anschläge vom 11. September spannend finde. Ich versuche also hier mal eine Rezension zu einem Werk aus dem „kritischen“ Spektrum – und das ganz ohne Aluhut:

Zuerst einmal: Ich möchte gar nicht ausschließen, dass uns einzelne Fakten rund um den 11. September noch nicht bekannt sind und dass wir manches vielleicht zu unseren Lebzeiten auch gar nicht mehr erfahren werden. An irgendwelche Theorien à la „inside job“, „Der Mossad war’s!“ und Ähnliches glaube ich allerdings noch weniger (vielleicht bin ich aber einfach noch nicht ausreichend gehirngewaschen, wer weiß das schon…).
Vor allem Herr Bröckers ist in diesem Metier kein Unbekannter und wird in der Regel offen als Verschwörungstheoretiker bezeichnet. Er selbst versucht in seinem Buch zunächst, eine Zwischenposition einzunehmen: Er kritisiert Vertreter der offiziellen Version ebenso wie die Hardcore-Truther (wobei für ihn beide Seiten mit Verschwörungstheorien arbeiten, was die aufmerksame Leserin schon etwas skeptisch macht) und stellt jede Menge Fragen. Das schien mir der Hauptaugenmerk seines Buches zu sein: Die offenen Fragen darzustellen und die Fakten zusammenzutragen, die eben belegen sollen, dass hier noch längst nicht alles ausdiskutiert und bewiesen ist. Er zitiert Zeugen und Dokumente, zeigt Ungereimtheiten in den offiziellen Versionen auf und bringt aber so nach und nach seine eigene Theorie ins Spiel, die dann gar nicht so weit von den klassischen Verschwörungstheorien abweicht. Letztlich war auch für ihn der 11. September ein Anschlag, der so ohne das Wissen und die Unterstützung der amerikanischen und befreundeten Geheimdienste nie hätte passieren können.

Also, ja. Wer sowieso nicht an die offizielle Version glaubt, wird dieses Buch toll finden. Alle anderen halten es für Mist. Eine eigene Bewertung kann ich mir wohl also schenken.

ISBN: 978-3938060483
320 Seiten
Westend
€12,99 (ebook)

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