Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft – Swetlana Alexijewitsch

7. Mai 2009 § 3 Kommentare

img_3716Ich hatte das Buch unbewusst sehr passend ausgesucht, denn vor kurzen jährte sich die Katastrophe im Atomkraftwerk Tschernobyl zum 23. Mal. Und ich muss sagen: So ein heftiges Buch habe ich schon lange nicht gelesen.

Um was gehts? Gesammelt werden hier Berichte von Menschen, deren Leben auf irgendeine Weise von dem Reaktorunglück in Tschernobyl beeinflusst wurde: Angehörige von Opfern, Bewohner der benachbarten Städte, Soldaten, die nach dem Unglück die Gegend sichern mussten, Menschen, die ihre verstrahlten Dörfer verlassen mussten, aber auch Journalisten oder Wissenschaftler, die sich mit dem Unglück befassen. Jeder erzählt seine Geschichte, die von der Autorin jeweils unkommentiert wiedergegeben wird.

Fazit: Was für ein Buch. Die meisten Geschichten sind extrem heftig, traurig, unglaublich. Wenn man liest, dass Menschen nahezu ohne Schutzausrüstung in die Gegend der schlimmsten Strahlung geschickt wurden, oder wie sich die Strahlung auf die Gesundheit der Menschen auswirkt, ist das definitiv keine leichte Lektüre. Und dabei ist der Stil noch nüchtern, fast sachlich in den meisten Fällen. Das man gleichzeitig aber weiß, dass es doch so gewesen ist (und dass die beschriebenen Schicksale nur für die vielen anderen stehen, die nicht genannt werden), macht die Sache nicht besser. Wir in West- und Mitteleuropa verbinden die Katastrophe wohl vor allem damit, dass Kinder nicht im Regen spielen durften und dass man keine Pilze aus Bayern essen sollte. Aber viele Menschen in Russland, der Ukraine und in Weißrussland müssen heute noch mit schlimmen und schlimmsten Konsequenzen leben.

Ich möchte euch dieses Buch uneingeschränkt empfehlen – für mich war es das beeindruckendste Buch seit langem!

P.S.: Da ich noch etwas mehr erfahren wollte (über technische Details und zeitliche Abläufe findet man im Buch nicht allzu viel), habe ich selbst noch recherchiert und will diese Infos an euch weitergeben: Wikipedia weiß mal wieder mehr über das Unglück selbst.

Beliebte Fotomotive sind die verlassenen Städte Tschernobyl und Pripjat, die einige Tage (!) nach der Katastrophe evakuiert wurden. Da die Bewohner nur sehr wenig mitnehmen konnten und damit rechneten, bald wieder in ihre Wohnungen zurückzukommen, finden sich noch viele Alltagsgegenstände, und natürlich ist auch die Sowjetunion ein Stückweit lebendig geblieben. Als Tourist kann man diese Städte besuchen, und einige Leute, die dort waren, haben ihre Fotos ins Netz gestellt.

ISBN: 3-8333-0357-3

298 Seiten

Originaltitel: Tschernobylskaja molitwa

BvT

€9,90

Advertisements

Wo bin ich?

Du durchsuchst momentan die Kategorie Weißrussland auf Besser lesen.

%d Bloggern gefällt das: